Martin Baisch, Johannes Keller, Florian Kragl, Michael Mecklenburg, Matthias Meyer, Andrea Sieber (Hg.)

Aventiuren.

Die Aventiure ist immer ein Wagnis, sie ist häufig eine Grenzüberschreitung, die mit einer bedrohlich fremden, unverständlichen Welt konfrontiert. Will man der Aventiure gerecht werden, so muss man zu allem entschlossen sein, muss fest verwurzelt sein im System (höfisch-ritterlicher) Normen und doch zugleich bereit, sich auf das Unbekannte einzulassen, sich ihm gelegentlich sogar anzuverwandeln. Die Aventiure ist dem Protagonisten bestimmt, doch er muss sie sich auch zu Eigen machen, und das nicht nur, weil sie der Erhöhung des eigenen Status’ dient. Denn die Aventiure restituiert die gestörte Ordnung, wobei diese Restitution immer auch eine Erneuerung ist. Die Aventiure wendet die Bedrohung durch das Andersweltliche ab und ist oft eine Erlösungstat. In diesem Sinne möchte »Aventiuren«, eine mediävistische Reihe im Verlag V&R unipress, zu literaturwissenschaftlichen Aventiuren einladen. Auch die Literaturgeschichte selbst ist mit dem Begriff der Aventiure beschreibbar: Gebunden an literarische Traditionen muss sich das Erzählen immer wieder befreien und neu verorten. Gerade im Umgang mit dem Konzept der Aventiure zeigt sich dies besonders prägnant: Man kann in der Literaturgeschichte ebenso ein Weiterführen des arthurischen Modells finden, wie den bewussten Rückgriff auf vorhöfische Modelle, man trifft auf Versuche der Umbesetzung des adlig-höfischen Modells hinsichtlich geschlechtlicher und sozialer Zuordnungen und häufig ist die aventiure bereits zum abentheuer geworden. Mittelalterliche Literatur, besonders die des 13. und 14. Jahrhunderts, zeigt sich so als experimentierfreudig und traditionsgebunden zugleich, und ihr sollte seitens der literaturwissenschaftlichen Forschung in ebensolcher Weise begegnet werden. Die Reihe »Aventiuren« möchte Raum bieten für neue Zugänge, die Grenzüberschreitungen in fachlicher, historischer und methodologischer Hinsicht sein können und dabei auch Wagnisse eingehen dürfen. Eher unbekannte oder vergessene Texte und Autoren sollen in den Blick geraten, ihr Status im etablierten System literaturhistorischer Darstellung überdacht werden, und es gibt durchaus Texte und Themen, die darauf warten erlöst zu werden. Die Erprobung neuer methodischer Zugangsweisen mag manche als selbstverständlich hingenommene Ordnung stören oder als gestört erweisen, um dann produktive Vorschläge zu ihrer Neuformulierung anzubieten. Insofern hat die Reihe einen gewissen Experimentcharakter, und es sollte den Herausgebern, Beiträgern und Rezipienten dabei eine der wesentlichsten Eigenschaften der aventiure im Gedächtnis bleiben: dass ihr Erfolg nur gewährleistet werden kann, wenn man die Möglichkeit des Scheiterns einkalkuliert.



Titel der Reihe

  (16 Titel)

Band Sonderband
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Band 013
65,00 €
Band 013
54,99 €
Band 012
45,00 €
Jetzt Abenteuerliche ›Überkreuzungen‹ bestellen Buch
Band 011
40,00 €
Jetzt Entblößung und Verhüllung bestellen Buch
Band 009
55,00 €
Jetzt Wie anders war das Mittelalter? bestellen Buch
Band 008
40,00 €
Jetzt Rache – Zorn – Neid bestellen Buch
Band 006
55,00 €
Jetzt Der ›Jüngere Titurel‹ zwischen Didaxe und Verwilderung bestellen Buch
Band 005
75,00 €
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Band 004
55,00 €
Jetzt Melancholie – zwischen Attitüde und Diskurs bestellen Buch
Band 002
45,00 €
Jetzt Das Abenteuer der Genealogie bestellen Buch
Band 001
45,00 €
Jetzt Aventiuren des Geschlechts bestellen Buch