28.11.2013

»Die Rückgabe von Kulturgütern ist von existenzieller Bedeutung für die Besitzer«

Dr. Elisabeth Gallas, Expertin für die Geschichte jüdischer Initiativen zur Rettung geraubter Kulturgüter, kommentiert den aktuellen ›Fall‹ Gurlitt:

»Die Ausplünderung und Zerstörung der jüdischen Kunst- und Kulturlandschaft Europas durch die Nationalsozialisten spielte eine tragende Rolle in der deutschen Besatzungs- und Vernichtungspolitik. Gerade auch der Kunsthandel war in diesem häufig von Habgier und Bereicherung motivierten Geschehen in hohem Maße involviert. Fälle wie die jüngst aufgetauchten Bilder der Cornelius Gurlitt-Sammlung verweisen auf diesen Teil der nationalsozialistischen Geschichte, der bis in die Gegenwart fortwirkt. Solch spektakuläre Funde wie der Münchner, die den deutschen Rechtsstaat vor komplexe Herausforderungen stellen, sind von außergewöhnlicher Sprengkraft, aber sicher nicht einzigartig. Sie sollten vielmehr darauf hindeuten, wie viele Hundertausende Kunstwerke und Kulturgüter mehr in deutschen Institutionen und Privathaushalten auch heute noch zu finden sind, die aus jüdischem Besitz stammen. Sie harren der Provenienzrecherche und − wenn möglich − ihrer Restitution. Von welch existentieller Bedeutung eine solche Rückgabe, ja »Rückkehr« von Kulturgütern in den Besitzstand ihrer früheren Eigentümer oder deren Nachkommen sind, erzählt mein Buch.«

(Elisabeth Gallas)