24.04.2013

Eric Lippmann im Gespräch über sein neues Buch: »Identität im Zeitalter des Chamäleons«

Im Interview stellt der Autor Eric Lippmann sein neues Buch »Identität im Zeitalter des Chamäleons« vor:

Guten Tag, Herr Professor Lippmann. Womit beschäftigt sich Ihr Buch? 

Wer bin ich und wer könnte ich sein? Ist Identität eine Fiktion? Ist es noch möglich, in unserer Multi-Options-Gesellschaft eine gewisse Einheit seiner eigenen Person zu erfahren? Das sind Fragen, die uns alle beschäftigen, und die doch häufig komplexe wissenschaftliche Antworten nach sich ziehen. Ich erkläre anhand der fünf Säulen der ›Identität‹ – Beziehungen, Arbeit, Körper, Besitz, Sinn –, wie die Fragmentierung des Selbst die Kernbereiche unseres Lebens durchzieht.   

Was ist Ihr Anliegen? 

Die verschiedenen Rollen, die uns die komplexe Lebenswirklichkeit heute abverlangt, werden zumeist als Problem wahrgenommen. Ich meine: Darin liegt auch eine Chance! Nämlich: Der Zugewinn an kreativen Lebensmöglichkeiten. So soll mein Buch Anstöße und Orientierungen geben, diese Chance zu nutzen und Identität als Prozess konstruktiv und ressourcennutzend zu gestalten. Nämlich zum Beispiel: Indem man flexibel ist und trotzdem Farbe bekennt!   

Es gibt zahlreiche Bücher zum Thema »Identität«. Was macht Ihres so besonders, inwiefern schließt es eine Lücke? 

Die Auseinandersetzung rund um dieses anspruchsvolle Thema findet hauptsächlich an den wissenschaftlichen Schnittstellen von Psychologie, Soziologie und den Sozialwissenschaften statt. Dabei laufen die einzelnen Disziplinen Gefahr, »unverbundene Spezialdiskurse« (Keupp) zu betreiben, ohne dass ein interdisziplinärer Austausch gefördert wird. Als Psychologe mit sozialpsychologischem, familientherapeutischem und organisationspsychologischem Hintergrund versuche ich in diesem Buch, das Konstrukt Identität aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.       

An wen richtet sich das Buch? 

Geschrieben habe ich das Buch speziell für Berater und Beraterinnen, Führungskräfte, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen und sonstige Personen, die in ihrem professionellen Wirken in Interaktion mit anderen Individuen und deren Identitäten treten.  Darüber hinaus eignet sich das Buch aber durchaus auch für alle, die eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Identität wie auch mit der Identität als »Konstrukt « suchen. Vielleicht können Sie nach der Lektüre dieses Buches differenzierter Auskunft über Aspekte Ihrer Identität geben? Über solches Leser-Feedback würde ich mich sehr freuen.  

Weshalb haben Sie den Film »Zelig« zur Veranschaulichung ausgewählt? 

»Zelig« ist mein Lieblingsfilm von Woody Allen, und bietet sich als prominente Folie einfach an, um leichter am Beispiel nachvollziehbar zu machen, was ich vorher in der Theorie entwickelt und ausgeführt habe:  Im Zentrum um die Hauptfigur Zelig steht die Identitätsthematik und allem voran das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Anpassung. Zelig als fiktive Figur ist in der Lage, sich chamäleonartig an Menschen in seiner Umgebung anzupassen. Er macht dies aus einer »Identitätsschwäche« heraus, um ja nicht aufzufallen oder anzuecken. Paradoxerweise fällt er gerade deswegen auf und gerät ins Rampenlicht der Psychiatrie und der Öffentlichkeit in den USA. Seine Therapeutin Dr. Fletcher heilt ihn durch verschiedene therapeutische Interventionen, der hauptsächliche Genesungsgrund dürfte aber die gegenseitige Liebe sein… Womit wir wieder beim Thema »Beziehung« in der Identitätskonstruktion wären. Zudem ist der Film von Woody Allen einer der eindrücklichsten im Spiel zwischen Fiktion und Realität. Er veranschaulicht für mich auf verschiedenen Ebenen, wie unsere Identitäten und »Realitäten« Konstruktionen sind, wie es der Konstruktivismus ja postuliert. Am besten Sie lesen es selbst, und wenn Sie den Film nicht kennen, er ist immer noch im Handel erhältlich und ein Filmklassiker. Viel Freude bei der Lektüre! 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte: Ulrike Schermuly.
Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht (© Vandenhoeck & Ruprecht).
Sie dürfen es gerne für Ihre Presseberichterstattung verwenden.
Ihre Ansprechpartnerin bei Vandenhoeck & Ruprecht: Ulrike Schermuly, Tel. 0551 50 84-471, Mail: u.schermuly@v-r.de


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