12.05.2014

»Es wird spannend bleiben« um James Bond!

Interview:
Professor Dr. Werner Greve: Die Evolution des James Bond


Werner Greve über die Bedeutung der Bond-Filme für den Generationendialog und den Einfluss von »007« auf die Gegenwartskunst. Er verrät auch, wie er sich die Zukunft von ›James Bond‹ nach der Verkörperung durch Daniel Craig vorstellen könnte...


Guten Tag, Herr Professor Greve. Als wir uns das letzte Mal unterhielten, es war im Mai 2012, war gerade Ihr Buch »James Bond 007 – Agent des Zeitgeistes« erschienen.
Nun haben Sie ein neues Buch herausgegeben »Die Evolution des James Bond«. Was ist in der Zwischenzeit geschehen – von »Bond« zu »Bond« betrachtet?

 
Die wissenschaftliche Diskussion um Bond hat durch das Jubiläum neue Dynamik erhalten – im Nachklang zu Bonds 50. Geburtstag sind einige neue Aspekte in der Diskussion angesprochen worden. Bond hat nicht nur – wieder einmal! – eine neue Generation Zuschauer erreicht, sondern auch eine neue Generation Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erreicht. Einige Facetten davon wollten wir festhalten. Dazu gehört auch die Bemerkung, dass – überraschenderweise jetzt erst, nach so langer Zeit – die Kunst selbst Bond entdeckt hat. Es gab da lange Zeit keine Auseinandersetzung, erst jetzt hat das begonnen – und spannenderweise gerade mit der Frage, wie sich Bond und seine Wahrnehmung über ein halbes Jahrhundert verändert hat. Bond wird nun als Teil der Gegenwartsgeschichte erlebt, und es lohnt sich offenbar, nun darüber Geschichten zu erzählen.
 
Was hält Ihr neues Buch im Vergleich zum ersten an neuen Informationen für den Leser bereit?
 
Zunächst ging es uns darum, diesen Gedanken des Perspektivwechsels durch neue Generationen voranzubringen. Im Buch sind deswegen auch verschiedene Beiträge von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, die teilweise noch im Studium stehen, um die kommende Generation zu Wort kommen zu lassen. Die Auseinandersetzung um Bond ist, das kann man immer deutlicher erkennen, ein Dialog über Generationen hinweg – und zugleich zwischen Generationen.
Ein zweiter Punkt, den das Buch hoffentlich deutlich macht, ist die zunehmende Interdisziplinarität der Auseinandersetzung. Neben Kultur- und Sprachwissenschaften treten immer mehr andere Perspektiven, zum Beispiel die Psychologie. Und ich erwarte, dass hier die Vielfalt noch wachsen kann und wird. Dadurch werden auch die Themen mehr: die Persönlichkeit Bonds, die Mündigkeit Bonds, ein neuer Blick auf Metaphern bei Bond, die Entwicklung der Figur außerhalb des Kinos, z.B. in Computerspielen, das sind einige Beispiele.
Schön wäre es, wenn diese Interdisziplinarität nicht zu Zersplitterung der Diskussion führen würde – gerne würden wir auch dazu beitragen, dass es neben der Vielfalt wieder ein stärkeres Bemühen um Zusammenführung der verschiedenen Ansichten und Einsichten kommt. Die Metapher der Evolution, die dem Buch auch den Titel gegeben hat, wäre aus meiner Sicht ein sehr guter Kandidat für eine gemeinsame Perspektive, einen verbindenden theoretischen Ansatz. Vielleicht kann das Buch zu dieser Diskussion anregen – das wäre wunderbar.
 
Sie erzählten mir in unserem letzten Gespräch von Ihrer Vorfreude auf den neuen Bond-Film »Skyfall«. Nun retrospektiv betrachtet: Hat er Ihnen gefallen?
 
Er ist wirklich geglückt, scheint mir. Er hat nicht nur, wieder, eine neue Generation junger Zuschauer angesprochen (nur deswegen konnte er ein wirklicher Kassenerfolg werden), sondern auch die gewachsene »Bond-Gemeinde« erreicht: Auch uns älteren Fans hat ›Skyfall‹ gefallen. Eine plausible Geschichte, interessante Charaktere, viel Tempo, aber auch viele Tempowechsel – einfach ein guter Film. Und nicht zuletzt: ein herausragender Titelsong.
Sehr gefreut habe ich mich, dass einige Vorhersagen, die ich im Buch 2012 gewagt hatte, eingetroffen sind. Ich wusste ja wirklich nichts über den Film, bevor ich ihn gesehen hab – ich hab seit vielen Jahren das Prinzip, nicht vorher zu recherchieren, damit mich der Film beim ersten Sehen wirklich überraschen kann. Die Rückkehr von Q und Moneypenny, eine stärkere Profilierung von Bond als Person – mir scheint das wirklich zeitgemäß und klug zu sein.
 
Apropos Vorhersage: Wie wird Bonds Zukunft aussehen?
 
Sehr gespannt bin ich, wer der nächste Darsteller werden wird. Craig wird sicher den nächsten Film noch machen – an Skyfall muss man anknüpfen. Aber dann ist die neue Bondfamilie (ein neuer M ist ja nun auch dabei) so etabliert, dass man sein Gesicht wieder wechseln kann. ich glaube nicht, dass wir darauf allzu lange werden warten müssen. Ziemlich sicher bin ich, dass der Trend, etwas mehr Gefühl zu zeigen, noch eine Weile anhalten wird. Ein nüchterner Profi muss er bleiben, aber ein kalter Killer darf er derzeit nicht sein. Ein bloßer Charmeur aber auch nicht. Eher schon eine überraschende Persönlichkeit, ein etwas schillernder, vielleicht sogar etwas widersprüchlicher Charakter. Ganz bestimmt: es wird spannend bleiben, auch in dieser Hinsicht.


Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht (© Vandenhoeck & Ruprecht).
Es ist freigegeben zum Abdruck im Rahmen Ihrer Presseberichterstattung! Stand: 09.05.2014. Bitte schicken Sie uns einen Beleg, danke!


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