15.05.2013

Heute ist Pressekonferenz und Buch-Premiere von »Remarques Impressionisten«

Remarque war ein bedeutender Kunstsammler, der SPIEGEL hatte berichtet und »Remarques Impressionisten« vorgestellt.

Bei uns im Interview spricht der Herausgeber und Leiter des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums Thomas F. Schneider über neue Erkenntnisse zu Erich Maria Remarque:

Guten Tag, Herr Dr. Schneider. Was ist das Neue an Ihrem Buch?
Erich Maria Remarque gilt weltweit als einer der bedeutendsten Autoren der Literatur des
20. Jahrhunderts. In der heutigen Öffentlichkeit nahezu unbekannt und von der Forschung fast völlig unberücksichtigt ist die Tatsache, dass Remarque auch ein seinerzeit bedeutender Kunstsammler war.
    
Wie sah denn die Kunstsammlung von Erich Maria Remarque aus?
Remarque sammelte Gemälde vorrangig französischer Künstler des 19. Jahrhunderts, seine besondere Liebe galt Cézanne und Degas. Das erste Bild, welches er kaufte, war Van Goghs Bahnunterführung von Arles. Er war kein besonderer Freund der zeitgenössischen Kunst, besaß aber doch auch eine Handvoll moderne Zeichnungen von Henri Matisse, Paul Klee und Pablo Picasso. Neben ca. 150 Gemälden umfasste seine Sammlung auch antike und zentralasiatische Teppiche, römische, griechische und ägyptische Kunstgegenstände sowie Rokoko-Möbel.
Es muss eine überwältigende Zusammenstellung aus Schönheit, Farben, Formen gewesen sein, die der Nachwelt unzugänglich bleiben wird, da keine Farbaufnahmen überliefert sind.
    
Wie wurde Erich Maria Remarque zum Kunstsammler?
Eine Voraussetzung war der Welterfolg seines Buches Im Westen nichts Neues. Es machte ihn nicht nur weltberühmt, sondern auch wohlhabend. Seine damalige Geliebte, die Schauspielerin Ruth Albu, entstammte einer kunstsinnigen und wohlhabenden jüdischen Familie. Sie formte seinen Kunstgeschmack, riet zur Geldanlage in Kunstgegenständen und machte ihn mit dem Kunsthändler Walter Feilchenfeldt bekannt. Das war Ende 1932 und hatte weitreichende Konsequenzen. Es erwuchs eine lebenslange tiefe Freundschaft zwischen Feilchenfeldt und Remarque, und Remarque wurde zum passionierten Sammler und Kunstkenner. Aus dem Investor wurde ein Liebhaber der Kunst. Er sammelte passioniert und lebenslang, in Deutschland, der Schweiz, im amerikanischen Exil. Wie es ihm gelang, diese Sammlung in Zeiten des Zweiten Weltkriegs immer mit sich zu führen, ist eine Abenteuergeschichte für sich!

Wie erklärt sich Remarques Passion, Kunst zu sammeln: War es mehr als ein Reichenhobby?
Unbedingt! Ganz zu Anfang mag die Überlegung, Gemälde als Geldanlage zu nutzen, eine Rolle gespielt haben. Aber es ist kein Zufall, dass Remarque ausgerechnet im Jahre 1933 begann, Kunst zu sammeln. Die Kunst war für ihn Träger von zivilisatorischen Werten während der Barbarei des Nationalsozialismus. Seine »Dinge« gaben ihm Heimat in der Fremde. Und Sie mahnten ihn, jeden Tag wertzuschätzen und die Schönheit des Lebens hochzuhalten und zu genießen.
Hiervon überzeugt, sollte auch die Öffentlichkeit davon profitieren, so dass der private Sammler Remarque zunehmend auch die Öffentlichkeit teilhaben lassen wollte: Allein in den USA beteiligte er sich an 8 verschiedenen Ausstellungen. Seine Sammlungen waren als Dauer-Leihgaben u.a. im Metropolitan Museum in New York und im Kunsthaus Zürich zu sehen.
 
Lassen wir Remarque selber sprechen und rufen uns seine Zeilen aus Das gelobte Land ins Gedächtnis:
 
»Diese Sommernachmittage in dem hellen Museum mit den Bildern der Impressionisten! Der Friede einer Oase im Sturm der Unmenschlichkeit. Wir saßen vor den stillen Bildern, neben mir der sterbende Sommer, und schwiegen, und die Bilder waren Fenster in die Unendlichkeit. Sie waren das Beste, was Menschen geschaffen hatten, in einer Zeit des Schlimmsten, dessen Menschen fähig waren.«
  
  
Wie kommt es dann, dass wir gar nichts mehr von dem Kunstsammler Remarque wissen?
Um es auf den Punkt zu bringen: Seine Witwe Paulette Goddart veräußerte alles.
Jedoch muss dazu gesagt werden: Remarque wusste um ihr anderes Verhältnis zu ›seiner‹ Kunst und setzte sie trotzdem als Generalbevollmächtigte und Alleinerbin ein.
Eine Rolle spielte auch dies: Als die Sammlung von Sotheby´s verkauft wurde, schien es Sotheby verkaufsfördernder, den Filmstar Paulette Goddard als Besitzerin hervorzuheben, so dass der Eindruck entstand, es handele sich um ihre Sammlung und nicht die von Remarque.
Indem sich Remarques Sammlung, gar nicht mehr als solche kenntlich, in alle Himmelsrichtung verstreute und hinter den Türen von Privatsammlern verschwand, verschwand auch das Bewusstsein von Remarques als Kunstsammler aus dem öffentlichen Gedächtnis.
    
Die Wiederentdeckung Remarques als Kunstsammler – was bedeutet diese Erkenntnis?
Sie verändert unser Bild von Remarque tiefgreifend und schafft viele Anknüpfungspunkte für die historische, literatur- und kunstwissenschaftliche Disziplin. Remarques Stationen in der Schweiz und in Amerika, besonders in New York, lesen sich wie ein ›Who is Who?‹ der Kunstszene. Seine Exilzeit erscheint in anderem Licht. Seine Werke lesen sich plötzlich anders. Und nicht zuletzt: Es lassen sich neue Geschichten erzählen. Zum Beispiel die von »Boni und Feilchen«, von Erich Maria Remarque und Walter Feilchenfeldt! Und diese Geschichte erzählt uns nicht irgendwer, sondern Walter M. Feilchenfeldt, der Sohn, höchstpersönlich. Er lässt uns dabei Einblick nehmen in die vertraute und unterhaltsame Briefkorrespondenz der beiden.
 
Nicht zuletzt macht Schatzsuche einfach Freude: Einige Werke aus Remarques Sammlung sind erstmals in diesem Band verzeichnet, ein Cezanne ist erstmals als Farbabbildung zu sehen!
 
Dem Leser wünsche ich daher gleich dreierlei: inspirierende Erkenntnisse, gute Unterhaltung und aufregende Entdeckungen!

Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht (© Vandenhoeck & Ruprecht).
Sie dürfen es gerne für Ihre Presseberichterstattung verwenden.
Ihre Ansprechpartnerin bei Vandenhoeck & Ruprecht: Ulrike Schermuly, Tel. 0551 50 84-471, Mail:
u.schermuly@v-r.de



    


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