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Gisela Kittel, Eberhard Mechels (Hg.)

Kirche der Reformation?

Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr

2. unveränderte Auflage 2017
374 Seiten kartoniert
ISBN 978-3-7887-3066-6
Vandenhoeck & Ruprecht

25,00 €
PDF eBook 19,99 € KAUFEN

Die in diesem Buch gesammelten Berichte machen anschaulich, welch ein Umbauprozess sich gegenwärtig in der evangelischen Kirche vollzieht. Nach evangelischem Verständnis, wie es in den Bekenntnissen der Reformationszeit formuliert wurde, ist die christliche Kirche "Gemeindekirche": die Gemeinschaft jener, die im Glauben mit Jesus Christus und untereinander verbunden sind und nach seinem Wort in seiner Nachfolge leben. Doch im gegenwärtig betriebenen "Reformprozess" wird eine andere Kirche Zug um Zug und leider auch unter Druck und Zwang durchgesetzt: Eine zentralistisch organisierte Behördenkirche, in der die Gemeinden und ihre Vorstände entmündigt, haupt- und ehrenamtlich arbeitende Gemeindeglieder verdrängt, Pfarrpersonen zu Dienstleistenden degradiert werden und die Arbeit mit den Menschen an der Basis durch rigorose Sparmaßnahmen spürbaren Schaden leidet. Umkehr ist angesagt.

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Leserstimmen  


Christian Lundbeck  28.03.2017 22:05  Uhr
„Eklektisch” Eins der Lieblingswörter einer der Autoren (Schneider) dieses Aufsatzsammelbandes heißt „eklektisch“. Es könnte für mich jedoch genauso in der Überschrift dieses dringend nötigen Buches stehen wie das große Fragezeichen des Titels. Das Wort ist abwertend gemeint: Bei den „Reformen“ in der Evangelischen Kirche in den letzten zwanzig Jahren sei nicht der nötige Zusammenhang gewahrt worden. Sehr deutlich und anhand verschiedener drastischer Beispiele wird beschrieben, wie durch das Impulspapier „Kirche der Freiheit“ aus dem Jahr 2006 in der EKD und in vielen Landeskirchen Methoden und Ziele aus Wirtschaft und Management, teils unter Anleitung „neoliberaler Beraterteams“, übernommen wurden. Dabei seien nicht hinreichend Aufgabe, Bedeutung und Struktur von evangelischer Kirche berücksichtigt, wie sie im Neuen Testament beschrieben, von Luther und den anderen Reformatoren und im Augsburger Bekenntnis von 1530 neu ins Blickfeld gerückt, in der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 und von Karl Barth 1946 aktualisiert, zuletzt etwa im Wormser Wort aus dem Jahr 2014 angemahnt wurden. Der Reformeifer vieler Synoden und Kirchenleitungen erweist sich (jedoch) als traditions-resistent. (Bergner) Ist Kirche von ihrer sozialen, empirischen, gesellschaftlichen Seite und Rolle her zu verstehen oder nicht vielmehr und zuerst als religiöse Gemeinschaft? Die „Ökonomisierung“ führe zur „bedrückenden Entwicklung einer Kirche auf Gemeindebasis zum finanzorientierten Konzern“ (Volk) und gar zurück zu einem „landesherrlichen Kirchenregiment“. Kirchengemeinden wurden zusammengelegt, Gebäude verkauft, Finanzmittel umverteilt auf die mittleren Ebenen und die Landeskirchen – zulasten der Pfarrer und der Ortsgemeinden. Der von den Kirchenoberen prognostizierte Kirchenmitglieder-Rückgang ist eingetreten, wahrscheinlich sogar wegen dieser „Reformen“. Der von ihnen angenommene drastische Rückgang der Kirchensteuermittel bis 2030 um 50 Prozent hat sich tatsächlich ins Gegenteil verkehrt: Allein im letzten Jahrzehnt hat es eine Zunahme um 30 Prozent gegeben. Es sei insofern „Kaffeesatzleserei“ (Schneider) betrieben, also unseriös argumentiert worden. Mittlerweile sind seit 1972 fünf Kirchenmitgliederbefragungen durchgeführt worden. Die letzte aus dem Jahr 2012 beinhalte eine „ausgeklügelte“, die Pfarrer und Ortsgemeinden „benachteiligende Fragestrategie“, die Stichprobenauswahl sei problematisch vorgenommen worden. Die Ergebnisse seien interessegeleitet uminterpretiert worden. (Dieckmann) Man kann dafür auch das Modewort von den „alternativen Fakten“ benutzen. Werden Pfarrer künftig als Dienstleister berufen? So fragt Guhl in seiner bedrückenden Analyse und bekommt dabei nostalgische Gefühle. In einem eigenen Abschnitt mit der Überschrift „Herrschaft von Menschen über Menschen“ werden Beispiele von persönlichen Konflikten von Pfarrern mit ihren Kirchenvorständen und ihren Dienstvorgesetzten, ja von Mobbing geschildert und der Ungedeihlichkeitsparagraf im Pfarrerdienstgesetz massiv kritisiert. Geglaubte Kirche und verfasste Kirchen fallen offensichtlich immer weiter auseinander. „Ecclesia semper reformanda“ Drei Worte, ein Programm. Zu Deutsch: „Die Kirche ist immer zu reformieren.“ Aber wie? Reformation – das ist die Frage nach Gott, nach der Kirche Jesu Christi im Sinn von Gemeinde! In seiner „Predigt am Reformations- oder Augsburgischen Konfessionsfeste“ wohl aus dem Jahr 1803 hatte der Pfarrer an der Nürnberger St. Lorenz-Kirche Johann Gottfried Schöner (1749 - 1818) gesagt (Predigtbuch Seiten 1191f): Ich weiß nicht, was uns unter den vorhandenen Umständen, wenn wir die Ungleichheit der jetzigen und damaligen Zeiten (gemeint ist die Zeit des Augsburgischen Bekenntnisses), der heutigen und der alten Protestanten bedenken, näher liegt, das Danken oder das Weinen? Wo sind denn die Fürsten mit dem Interesse für Bibel und Christentum, wie man es dort unter den Fürsten zu Sachsen, Hessen, Anhalt und anderen fand? Wo sind die Kanzler und Räte, die Lehrer und Prediger, welche sich mit dem damaligen Fleiß und Eifer für die gute Sache hergaben? In heutigem Deutsch müsste diese Frage lauten: Wo sind die Bischöfe, Kirchenpräsidenten, Synodalen, Dekane, die den Verkündigungsauftrag und die Glaubwürdigkeit der Kirche in den Mittelpunkt stellen? Das Schlusskapitel der Mitherausgeberin Kittel schließt so: Unsere Hoffnung ist, dass Gott der Evangelischen Kirche in Deutschland eine grundlegende Umkehr schenkt. Darum bitten wir: VENI CREATOR SPIRITUS! Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist, … und kehre bei uns ein (aus?)!

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