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Autorenporträt

Karl Heinz Voigt


Karl Heinz Voigt
Karl Heinz Voigt ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche. Er hat als Ökumene-Beauftragter Jahrzehnte in ökumenischen Gremien mitgewirkt. 2007 erhielt er in den USA für seine historischen Forschungen den Distinguished Service Award.
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Karl Heinz Voigt

Kirchliche Minderheiten im Schatten der lutherischen Reformation vor 1517 bis nach 2017

1648: ›Kein anderes Bekenntnis soll angenommen oder geduldet werden‹

1. Auflage 2018
382 Seiten
ISBN 978-3-8470-0803-3
V&R unipress

32,99 €
IN DEN WARENKORB  
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In den deutschen Kleinstaaten hatten bis 1918/19 neben der lutherischen und der reformierten Tradition keine weiteren protestantischen Konfessionen und Denominationen verfassungsmäßig gesicherte Rechte. Der Autor thematisiert zwischenkirchliche Erfahrungen der nicht geduldeten Kirchen im Verlauf der Geschichte. Beide Staatskirchentraditionen standen unter weitreichenden Einflüssen der politischen Herrscher. Die in Deutschland bis 1919 fehlende verfassungsrechtlich gesicherte Religionsfreiheit gab den privilegierten Landeskirchen monopolartige Vorrechte, die sie auch vor vorreformatorischen Bewegungen (Waldenser und Böhmische Brüder) und vor später kommenden Minderheitskirchen (Baptisten, Methodisten u. a.) schützten. Langfristig führte das zu einem einseitigen Verständnis von Kirche und wegen nationaler Verbundenheit anfänglich zu ökumenischer Zurückhaltung.

 

Until 1918/19, aside from Lutheran and Reformed traditions, no other Protestant confessions or denominations had constitutionally secured rights in the German small states. The author discusses inter-church experiences of churches that were not tolerated throughout history. Both state church traditions found themselves under the far-reaching influences of the political rulers. The lack of religious freedom secured under constitutional law in Germany until 1919 afforded to privileged state churches monopolistic preferential rights that also protected them from pre-reformation movements (such as the Waldenses and the Bohemian Brethren) and from later-appearing minority churches (such as Baptists and Methodists, among others). In the long term, this led to a one-sided understanding of church and initially to ecumenical restraint by virtue of some national affiliation.

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Leserstimmen  


Dr. Dr. Gunter Stemmler M.A.  28.04.2018 17:48  Uhr
Das Binnenverhältnis zwischen Christen wird von Karl Heinz Voigt in ungewohnter Ausrichtung dargelegt. Macht und Ohnmacht evangelischer Menschen in Deutschland zueinander behandelt Voigt; seine Darstellung erstreckt sich von Martin Luthers Gotteserfahrung bis hin zu den Schlußkapiteln, in denen er „Verpasste Gelegenheiten 2017“ darlegt und mit den „Schlußgedanken“ sein Fazit zieht. Voigt geht es um das Dreieck von Staatskirche, Staat und Freikirche. Seine Kerngedanken sind: „Die frühen religionspolitischen Entscheidungen von 1530 und 1555 in Augsburg sowie 1648 im Westfälischen Frieden zeigen ihre Auswirkungen bis heute.“ „Man macht sich selten bewusst, dass die Mitglieder der ausgelöschten Kirchen keine religiösen Spinner oder sonst wie absonderliche Christen waren. Dazu und zu Sektierern wurden sie erst gemacht, weil ihre theologischen Konzepte von Kirche und Nachfolge … aus politischen Erwägungen gesellschaftsunfähig gemacht wurden.“ (S. 243). Dies führte in Deutschland zu einer Beschränkung auf drei Konfessionen. Es gibt ein Kapitel über Waldenser und Hussiten bis zu den Täufergemeinden, sodann wird von Voigt auf das staatskirchliche Verhältnis zu Pietisten eingegangen; es geht immer wieder um politische Entscheidungen, die Ausgrenzungen bedingten. Verfolgungen auch im 19. und 20. Jahrhundert werden nachvollziehbar dargelegt, so die „Friedhofsfrage“, bei der jeweils eine Demütigung auf die andere folgte (S. 240), weil eine Beerdigung auf dem kirchlichen Friedhof, der der einzige vor Ort war, von der Staatskirche anderen Christen verweigert wurde und deshalb „der Trauerzug vor dem Friedhofstor anhielt, weil dort die Texte der Bibel gelesen, die Gebete und das Vater-Unser gesprochen sowie der Segen erteilt wurde“ „Wenn in einem Dorf das übliche Glockengeläut nicht ertönte, dann war das Zeichen eines Spalts in der sozialen Gemeinschaft“. Ebenso geht Voigt auf Kirchensteuern für Freikirchler zweiter Generation ein, die keiner Landeskirche jemals angehört hatten. „In der Regel waren sie als ´Sekten´ diskriminiert worden, wo es aber um Geld ging, waren sie ´Evangelische´.“ (S. 233) Dazu erklärt er: „Diese Zeiten sind vorbei.“ (S. 317) - Ich kenne hingegen aktuelle Fälle bei Personen mit Migrationshintergrund. - Bei den Freikirchen ist sein Schwerpunkt für das 19. und 20 Jahrhundert bei Methodisten (Bischöfliche Methodistenkirche sowie Evangelische Gemeinschaft) und Baptisten. Voigt hat gut lesbar geschrieben; seine Abhandlungen sind bei einigem Hintergrundwissen verständlich. Anfang 2018 erschien das Buch termingerecht zum Reformationsjubiläum. Es startet mit einem lesenswerten Geleitwort von Hartmut Lehmann. Karl Heinz Voigt ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche und überaus aktiv im Ruhestand. 26 seiner jüngeren Publikationen aus einem aktiven Forscherleben bilden eine Grundlage für wichtige Passagen. Hinzu kommen als Wissenshintergrund Beiträge von ihm im Biographisch-bibliographischen Kirchenlexikon (z. B. Anm. 463). Ein detailliertes Inhaltsverzeichnis erschließt mit den Indizes viele Aspekte in diesem Buch.

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