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Tobias Wunschik


Tobias Wunschik
Dr. Tobias Wunschik ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Forschung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU).
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Tobias Wunschik

Knastware für den Klassenfeind

Häftlingsarbeit in der DDR, der Ost-West-Handel und die Staatssicherheit (1970-1989)

1. Auflage 2014
363 Seiten mit 31 Abb. und 17 Tab. gebunden
ISBN 9783525350805
Vandenhoeck & Ruprecht

Analysen und Dokumente. Wissenschaftl. Reihe des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes d. ehemaligen DDR (BStU) - Band 037

30,00 €
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Ikea, Quelle, Aldi – viele westliche Firmen ließen in der DDR produzieren. 250 ostdeutsche Betriebe beschäftigten neben »freien« Arbeitern aber auch Häftlinge, darunter politische Gefangene. Diese verdienten daran kaum – den Profit machten die Westkonzerne sowie SED-Firmen als Zwischenhändler.
Möbel, Strumpfhosen, Schreibmaschinen, Fotokameras, Werkzeugkästen und Motorradteile stammten ganz oder teilweise aus Haftanstalten wie Halle oder Hoheneck, Bautzen oder Brandenburg. Das Versandhaus Neckermann etwa bezog Fernseher, der Stahlkonzern Mannesmann Eisenwaren und die Drogeriekette Schlecker Haushaltskerzen, die von Gefangenen gefertigt worden waren. Zumindest der Konzernleitung von Quelle war bekannt, dass Häftlingsarbeiterinnen die von ihr vertriebene Bettwäsche genäht hatten.
Die preisgünstige Ware wurde ebenso nach Westeuropa wie in den Nahen Osten verkauft. Industrie und Handel sahen angesichts niedriger Produktionskosten in der DDR über die Arbeitsbedingungen hinweg. Die Bundesregierung wollte in den achtziger Jahren zwar die DDR-Importe von Möbeln und Strumpfhosen drosseln, doch nur zum Schutz der heimischen Wirtschaft. Dabei war längst bekannt, dass Gefangene diese Waren fertigen mussten.
Charakteristisch für die Arbeit von politischen Häftlingen in DDR-Gefängnissen war, dass sie zusammen mit Kriminellen arbeiten mussten. Sie hatten mehr als »freie« Beschäftige zu leisten, verdienten aber wesentlich weniger als diese. Vielfach brachten veraltete Maschinen sie dabei in Lebensgefahr oder ruinierten ihre Gesundheit.
Tobias Wunschik belegt mit neuen Aktenfunden, wie die Gefangenen ausgebeutet wurden und welche Firmen davon profitierten. Er beschreibt das Geschäft mit der Ware aus den DDR-Haftanstalten als Teil des innerdeutschen Handels.

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Inhalt    Alles anzeigen

1. Einleitung

2. Der Arbeitseinsatz von Gefangenen
2.1 Konzeption und Prioritäten
2.2 Schwerpunkte des Arbeitseinsatzes und Zahl der Häftlingsarbeiter
2.3 Arbeitseinsatz innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern
2.4 Strukturelle Probleme
2.5 Die Amnestien
2.6 Die Betriebsangehörigen als Feind und Freund

3. Die Arbeitsbedingungen
3.1 Politische und kriminelle Häftlinge
3.2 Arbeitszeiten und Schichten
3.3 Arbeitsschutz
3.4 Unfälle
3.5 Motivation und Zwang der Gefangenen
3.6 Streiks und Sabotage
3.7 Die Entlohnung der Gefangenenarbeit
3.8 Normerfüllung

4. Der Westexport der Produkte aus Häftlingsarbeit
4.1 Die deutsch-deutschen Wirtschaftskontakte  in der Ära Honecker
4.2 Sofas aus Waldheim – die Rivalen Kamprad und Lämmerzahl
4.3 Zement aus Rüdersdorf – belieferten Häftlinge die Senatsreserve von Westberlin?
4.4 Strumpfhosen aus Hoheneck – »Sayonara« bei Aldi, »Petit Chat« bei Woolworth
4.5 Werkzeugkästen aus Halle als Exportschlager – Stasi in die Produktion
4.6 Küchenherde für Quelle, Fernseher für Neckermann – weitere Haftanstalten, Betriebe und Abnehmer von Waren aus dem DDR-Strafvollzug
4.7 Blutplasma aus Gräfentonna
4.8 Das Bekanntwerden der Westexporte von Erzeugnissen aus der Häftlingsarbeit und die Rolle der Staatssicherheit

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis
Ortsregister
Abkürzungen

Pressestimmen    
»Ungeachtet des reißerischen Titels stellt ›Knastware für den Klassenfeind‹ eine ungewöhnlich daten- und faktengesättigte Untersuchung dar.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Karl Wilhelm Fricke), 03.06.2014


» Dem Autor gelingt die präzise Aufarbeitung eines beschämenden und fast vergessenen Kapitels westdeutscher Wirtschaftsgeschichte. «
Neue Osnabrücker Zeitung (Christof Haverkamp), 08.09.2014


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News   Alle

23.09.2014

»Knastware für den Klassenfeind« Lesung mit Tobias Wunschik im Grenzlandmuseum Eichsfeld

Am morgigen Dienstag, den 30.09.14, liest Dr. Tobias Wunschik aus seiner Studie »Knastware für den Klassenfeind«. Die Veranstaltung, die im Rahmen der Reihe »25 Jahre Mauerfall und Grenzöffnung« im Grenzlandmuseum Eichsfeld stattfindet, beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

27.08.2014

25 Jahre Mauerfall – Veranstaltungen


Im Rahmen der Vortragsreihe »25 Jahre Mauerfall und Grenzöffnung« finden in diesem Herbst im Grenzlandmuseum Eichsfeld drei Lesungen zu V&R-Publikationen statt.

Weitere Bücher rund um das Jubliäum haben wir ebenfalls für Sie zusammengestellt.

21.03.2014

Impressionen von der Leipziger Buchmesse Teil I

Im Rahmen des Lesefests »Leipzig liest« der diesjährigen Leipziger Buchmesse sprach Tobias Wunschik am Freitag, 14.03.2014 über sein Buch »Knastware für den Klassenfeind«. 

13.03.2014

Leipziger Buchmesse – Lesefest Leipzig liest

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse (13. bis 16.03.) findet auch in diesem Jahr Europas größtes Lesefest »Leipzig liest« statt. Vandenhoeck & Ruprecht wird dabei vertreten sein: Sie sind herzlich eingeladen zu vier Buchvorstellungen aus unserem Verlagsprogramm!

10.03.2014

Veranstaltungen zu Tobias Wunschiks Buch »Knastware für den Klassenfeind«

Neue Aktenfunde belegen, wie DDR-Häftlinge von westlichen Firmen ausgebeutet wurden. Dr. Tobias Wunschik zeigt, dass viele westdeutsche Konzerne im innerdeutschen Handel von der Arbeit politischer Gefangener in der DDR profitierten.
In diesem Jahr wird sein Buch an verschiedenen Orten vorgestellt.

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