09.04.2014

konfi live–Mitherausgeber Andreas Brummer im Interview

Guten Tag, Herr Brummer. Das neue Konfirmandenwerk trägt einen modernen Titel: konfi live. Wofür steht er?
 
»konfi« bezieht sich auf die Konfirmandenzeit und »live« betont das eigene Erleben und Gestalten. Der Name ist also Programm: Es geht darum, dass die Jugendlichen ihre Konfirmandenzeit als einen Teil ihres Lebens erfahren, den sie aktiv mitgestalten. Dazu gibt konfi live eine Fülle von Anregungen und Impulsen. Die Jugendlichen erweitern ihren Blick auf Gott, die Welt und auf sich selbst. Sie setzen sich mit der christlichen Glaubenspraxis auseinander und haben die Möglichkeit, ihrem eigenen Glauben zu begegnen und Gott im Leben zu spüren.
 
Die Jugendlichen haben heutzutage wenig Zeit, sind durch die Schule, Hobbys oder Nebenjobs häufig ausgelastet. Wie kann konfi live sie trotzdem ansprechen?
 
Konfi live setzt da durchaus einen Gegenpol gegen die Atemlosigkeit. Die Jugendlichen sollen Ruhe und Orientierung finden, gleichzeitig aber auch lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb steht bei konfi live die Interaktion und das gemeinsame Lernen in Gruppen im Mittelpunkt. Papier ist nicht das Hauptmedium. Vielmehr bietet konfi live Raum zum Erkunden und Ausprobieren, in einer, wie ich finde, guten Mischung zwischen Aktion und Kontemplation. Auch die Einbindung von Konfis mit Handicaps, mit Lern- oder Sprachschwierigkeiten war bei der Erarbeitung wichtig, denn Ziel des Konfirmandenunterrichtes muss immer auch sein, die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Begabungen von Menschen ernst zu nehmen.
 
Wie genau schafft konfi live die Rahmenbedingungen für diese Art des Lernens?
 
Zunächst: Die Konfis sollen nicht »belehrt« werden. Der Dreischritt von Entdecken, Deuten und Gestalten ist da besonders wichtig. Konfi live nimmt die eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen der Jugendlichen ernst und regt an, diese Wahrnehmung zu deuten und in eigene Gestaltungsformen zu kommen. Das geschieht in einer großen Methodenvielfalt: performative Elemente, Begegnungslernen und ähnliche Arbeitsformen der Jugendarbeit kommen ins Spiel. Ein besonderer Schwerpunkt liegt schließlich darauf, die Jugendlichen selbst zu Wort kommen zu lassen und sie religiös sprachfähig zu machen, so dass sie eigene religiöse Vorstellungen äußern und austauschen können.
 
Warum wird das Material für die Pfarrer und Teamer in zwei Varianten angeboten und wie sind sie aufgebaut?
 
Die Konfirmandenzeit in Deutschland kann sehr unterschiedlich ablaufen. Zweijährige Modelle stehen neben solchen, die nicht einmal mehr ein ganzes Jahr dauern, Projektkonzepte neben Stundenkonzepten, mit oder ohne Teamer, mit oder ohne Praktikum. Deshalb haben wir uns für zwei Varianten entschieden: das Komplettangebot mit 16 Einheiten garantiert genug Stoff für zwei Jahre regelmäßigen Unterrichts. Zum anderen 8 konzentrierte Einheiten, welche ebenfalls gut auf die Konfirmation vorbereiten, aber in einem knapperen Zeitrahmen und mit Mut zur Lücke. Die Gemeinsamkeit der beiden Varianten ist z.B. ihre Flexibilität. Die Einheiten mit den geschilderten Abläufen für Konfirmandenstunden sind fertig verwendbar oder zu kombinieren mit eigenem Material. Der didaktische Dreischritt »entdecken – deuten – gestalten« ist dabei leitend. Die Verlaufsplanungen beginnen meist mit einer Erkundung: Wie kommt das behandelte Thema in der Gemeinde, in der Lebenswelt, in der eigenen Erfahrung vor? Auf diesen Befund folgt eine Phase der Reflexion: Die Konfis gehen dem Thema auf den Grund; in Bibeltexten und kirchlicher Tradition begegnen sie fremden Erfahrungen und Deutungen und verbinden sie mit eigenen Deutungen. Am Schluss entstehen daraus eigene Ideen der Gestaltung.
 
Was ist außerdem innovativ an konfi live?
 
Zum einen gibt es das digitale Zusatzmaterial, das mit dem vorn ins Buch eingedruckten Zugangscode abrufbar ist. Es bietet eine Fülle von Möglichkeiten und Anregungen, z.B. Bilder, Arbeitsblätter und Alternativ-Bausteine, welche die Vorschläge zur Vorbereitung und zum Ablauf der Projekte ergänzen. Zum anderen gibt es den Begleiter, der für die Hand der Konfis gedacht ist. Der Begleiter ersetzt das klassische Arbeitsbuch: Er ist eine Mischung aus Notizbuch, Tagebuch und Kompendium zu den Themen »Christentum, Kirche, Gemeinde«. Wichtige Texte zum Nachschlagen und Infos zum Kirchenjahr sind hier zu finden. Darüber hinaus kann der Begleiter mit Fotos und persönlichen Eintragungen individuell gestaltet werden. Und er hat viel freien Platz für die eigenen Gedanken, Fragen oder auch Lieblingsbibelstellen. Nicht zuletzt können die Geburtstage der Freunde oder die Termine der Konfifreizeiten eingetragen werden.
 
Und welche Einheit haben Sie am liebsten?
Das ist nicht leicht zu entscheiden, weil jede Einheit ungemein kreative und inspirierende Methoden bietet. Schon im ersten Entwurf hat mich die Einheit »Neuland betreten: Gottesdienst« aus dem Zweijahreskurs begeistert. Beginnend mit der Ansichtskarte aus dem »Neuland Gottesdienst« über den Feedbackwürfel bis hin zum gemeinsamen Erleben und Erschließen der Hauptteile des Gottesdienstes in einer performativen Entdeckungstour – das gefällt mir schon ganz besonders.
 
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht (© Vandenhoeck & Ruprecht). Es ist freigegeben zum Abdruck im Rahmen Ihrer Presseberichterstattung! Stand: 31.03.2014. Bitte schicken Sie uns einen Beleg, danke!


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