06.09.2012
Neues Bildungskonzept: Instandsetzungspädagogik
»Instandsetzungspädagogik« ist ein Sammelbegriff für alle pädagogischen Interventionen, die darauf abzielen, den sog. benachteiligten Schülern neue Lern- und Lebensperspektiven zu eröffnen. Die Bezeichnung »Instandsetzungspädagogik« hat sich aus der Vorstellung ergeben, dass es bei der Integration darum gehen muss, die gesellschaftlich bislang »Abgehängten« in den Stand von »Angehängten« zu versetzen.
Was ist das Neue an Ihrem Ansatz der Instandsetzungspädagogik?
Da fallen mir sofort gleich mehrere Punkte ein. Um mit dem Ausgangspunkt zu beginnen: Ich bin der festen Überzeugung, dass viele der als problematisch geltenden SchülerInnen schon in jungen Jahren das Lernen verlernt haben, was sowohl auf häusliche als auch auf schulische Bedingungen zurückzuführen ist. Dementsprechend müssen die »lernentwöhnten« Kinder – was bislang viel zu wenig beachtet worden ist – erst einmal wieder auf den "Geschmack" gebracht werden. Diese Phase bezeichne ich als »Lernen wollen lernen«. Das funktioniert allerdings nur, wenn ganz spezielle Zugangswege gefunden und beschritten werden. Als Beispiele nenne ich: Emotionalisierung des Unterrichts, Beachtung des Einbettungsprinzips, Herbeiführung vieler Erfolgserlebnisse oder die Festlegung interaktiver Ziele.
Das klingt nach einem sehr aufwändigen Verfahren!
Da haben Sie vollkommen Recht und das ist ja auch der Grund, weshalb ich das deutsche Schulsystem, das in seiner jetzigen Form auf die vielen spezifischen Bedürfnisse gar nicht eingehen kann, für integrationsungeeignet halte. Von Inklusion mag ich da schon gar nicht reden!
Wie wollen Sie das ändern?
Zunächst einmal: Alleine werde ich gar nichts ausrichten können, aber ganz hoffnungslos bin ich auch nicht. Schließlich geht es mir nicht nur um die Verbesserung der Integrationschancen, sondern auch um eine allgemeine Verbesserung des Schulklimas und ich denke, dass sich ziemlich viele Menschen mit diesem Ziel identifizieren können. Allerdings ist auch klar, dass ein solches Vorhaben viel Zeit und Kraft erfordert. Besonders wichtige Bausteine wären: Verbindung struktureller Veränderungen mit inhaltlichen Veränderungen, Entschärfung des derzeitigen Benotungs-und Kontrolldrucks, Überwindung des sehr einseitigen kognitiven Leistungsverständnisses, aber z.B. auch die Zurückdrängung privatwirtschaftlicher Einflüsse.
Sind das die Hoffnungen, die Sie mit Ihrem Buch verbinden?
Soweit würde ich nicht gehen, denn das wäre unrealistisch. Aber ich hoffe schon, dass sich zumindest die vielen Praxisbeispiele als hilfreich erweisen. Wenn mein Buch darüber hinaus den Effekt hätte, ein Umdenken zu befördern, wäre das schon mehr als erwartet, aber auch sehr schön.
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