17.07.2012

Wie man ein Kind stärken kann

Interview mit Frau Prof. Dr. Irit Wyrobnik
Herausgeberin von »Wie man ein Kind stärken kann. Ein Handbuch für Kita und Familie«
 
Wie entstand die Idee zu diesem Buch? 
Mir ist aufgefallen, dass in letzter Zeit meist die Begriffe »Bildung«, »Lernen« und »Entwicklung« im Mittelpunkt stehen, wenn es um die frühe Kindheit geht. Eine Grundvoraussetzung und ein notwendiger Begleiter für alle Lern- und Bildungsprozesse ist jedoch die frühe Ausbildung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Ein Werk, in dem vielfältige Möglichkeiten zur Stärkung von Kindern in Kita und Familie im Vordergrund stehen, habe ich jedoch bisher nicht entdeckt, daher kam mir die Idee zu diesem Buch.
Eltern haben natürlich auch ein intuitives Gespür dafür, wie sie ihre Kinder erziehen und stärken können. Trotzdem hätte ich mir als Mutter damals, als meine Kinder klein waren, solch ein Buch gewünscht.
 
Warum ist es so wichtig, Kinder zu stärken? Wie definieren Sie »Stärke«? Welche Kinder müssen gestärkt werden?
»Stärke« ist nicht im Sinne von »durchtrainiert« oder »unempfindlich« sein gemeint. Kinder sollen also nicht »abgehärtet« werden. Vielmehr ist eine innere Stärke gemeint, eine Fähigkeit, die hilft, mit Schwierigkeiten und Belastungen, die in der Kindheit, aber auch im Laufe des späteren Lebens auftreten können, umzugehen. Ein Kind ist stark, wenn es Bezugspersonen hat, bei denen es Halt, Unterstützung und Geborgenheit findet. Es ist stark, wenn es weiß, an wen es sich wenden kann, wenn es Probleme gibt. Ein starkes Kind kann mit Stress umgehen und gibt bei Schwierigkeiten nicht schnell auf, sondern sucht Lösungswege. Es betrachtet Probleme nicht als unüberwindbare Hürden, sondern als Herausforderung. Außerdem hat es positive Erfahrungen gesammelt, die ihm Selbstsicherheit geben.
Generell sollte jedes Kind gestärkt werden, also nicht nur die vermeintlich »schwachen«. Wichtig ist dabei der positive Blick auf das Kind und seine Stärken sowie die Beachtung der individuellen Interessen des Kindes und der jeweiligen Lebenslage, in der es sich befindet. Wie Gabriele Haug-Schnabel im Vorwort betont, sollte jedoch klar sein, dass nicht jedes Kind in allen Bereichen gleich erfolgreich zu stärken sein wird und daher auch ein starkes Kind Schwächen haben und zeigen darf. 
 
Wer hat an dem Buch mitgewirkt?
An dem Buch haben insgesamt 26 Autorinnen und Autoren aus Forschung, Lehre und Praxis mitgewirkt, zum Beispiel aus den Bereichen Kindheitspädagogik, Schulpädagogik, Medienpädagogik, Heil- und Sonderpädagogik, Soziale Arbeit sowie Psychologie und Ernährungswissenschaft.
 
 
Ihr Handbuch wendet sich, wie es im Untertitel heißt, an Kita und Familie. Was bietet das Buch den Leserinnen und Lesern? Pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sowie Eltern und alle, die sich um Kinder kümmern, erhalten hier eine Fülle von Informationen und praktischen Anregungen. Denn jenseits von modischen Trainingsprogrammen und isoliert stattfindenden Kursen ist es möglich, Kinder im ganz normalen Alltag, ohne großen Aufwand und auf verschiedene Art und Weise, zu Hause oder in der Kita zu stärken. Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Beispiele und nützliche Hinweise für die Zusammenarbeit von Kita und Familie.
 
Was wünschen Sie sich für das Buch?
Ich wünsche mir, dass dieses facettenreiche Buch den Erzieherinnen und Erziehern, Müttern und Vätern hilfreiche Ideen und Unterstützung bietet, um Kinder mit Freude zu erziehen und stark zu machen.


Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht. Sie dürfen es gern für Ihre Berichterstattung verwenden.


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