Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Heft 2005/51,4Weitere Informationen zu dieser Zeitschrift
28,90 € [D]
ISSN 1438-3608
Inhalt
AnonymusErdbeben
329
Marc Walter, Andreas Pascher, Sven Jonas, Gerhard Danzer, Jörg Frommer, Peter Neuhaus und Burghard F. Klapp
Die Leberlebendspende aus Sicht des Spenders: Psychosomatische Untersuchungsergebnisse
331
Fragestellung: Die Leberlebendspende (LDLT) entwickelt sich zu einer etablierten Behandlungsmethode in der Therapie terminaler Lebererkrankungen bei Erwachsenen. Bislang sind die psychosozialen Bedingungen der gesunden Spender, die sich dem Risiko medizinischer Komplikationen durch die Resektion eines Leberlappens aussetzen, nur wenig untersucht. Der vorliegende Beitrag will Aufgabenstellung und Problematik klinisch-psychosomatischer Konsiliartätigkeit aufzeigen und einen Beitrag leisten, ethische Fragestellungen mit empirischen Ergebnissen zu unterlegen.
Methode: In einer Übersicht werden die klinischen Phasen der Leberlebendspende für die Spender eines rechten Leberlappens aus psychosomatischer Sicht anhand aktueller chirurgisch medizinischer und psychosozialer Forschungsergebnisse dargestellt.
Ergebnisse: Vor der in Aussicht genommenen Lebendspende wird bei 11 % der potenziellen Spender aufgrund ausgeprägter Ambivalenz eine Spende nicht befürwortet. Nach der Operation werden schwerwiegende chirurgische Komplikationen nur selten beobachtet. Allerdings werden von 26 % der Spender postoperativ erhöhte Werte für körperliche Beschwerden oder ängstliche Depressivität berichtet.
Diskussion: In der präoperativen Evaluation sollten den Spendern ausreichende Entfaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, um Ängste und Unsicherheiten verbalisieren zu können. Die testpsychologisch erfassten psychosozialen und psychosomatischen Beeinträchtigungen einiger Spender nach der Operation werden hinsichtlich unterschiedlicher Interpretationsmöglichkeiten diskutiert. Weitere Studien sind notwendig, um ethische Fragestellungen durch empirische Ergebnisse in diesem Forschungsbereich und evidenzbasierte Versorgungsstrategien weiter entwickeln zu können.
Methode: In einer Übersicht werden die klinischen Phasen der Leberlebendspende für die Spender eines rechten Leberlappens aus psychosomatischer Sicht anhand aktueller chirurgisch medizinischer und psychosozialer Forschungsergebnisse dargestellt.
Ergebnisse: Vor der in Aussicht genommenen Lebendspende wird bei 11 % der potenziellen Spender aufgrund ausgeprägter Ambivalenz eine Spende nicht befürwortet. Nach der Operation werden schwerwiegende chirurgische Komplikationen nur selten beobachtet. Allerdings werden von 26 % der Spender postoperativ erhöhte Werte für körperliche Beschwerden oder ängstliche Depressivität berichtet.
Diskussion: In der präoperativen Evaluation sollten den Spendern ausreichende Entfaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, um Ängste und Unsicherheiten verbalisieren zu können. Die testpsychologisch erfassten psychosozialen und psychosomatischen Beeinträchtigungen einiger Spender nach der Operation werden hinsichtlich unterschiedlicher Interpretationsmöglichkeiten diskutiert. Weitere Studien sind notwendig, um ethische Fragestellungen durch empirische Ergebnisse in diesem Forschungsbereich und evidenzbasierte Versorgungsstrategien weiter entwickeln zu können.
Living Donor Liver Transplantation from the Perspective of the Donor: Results of a Psychosomatic Investigation
Objectives: Living donor liver transplantation (LDLT) has been gaining importance in the treatment of endstage liver disease in adults. Thus far, only few empirical studies have been published on the psychosocial situation of donors who are faced with the risk of medical complications after resection of the right hepatic lobe. The aims were to describe the clinical problems before and after transplantation and to contribute to the discussion of ethical issues based on empirical findings.
Methods: In the present overview, the pre-/post-transplant and follow-up periods are characterized from a psychosocial point of view using actual psychosocial and medical findings in living donors of the right hepatic lobe.
Results: Before LDLT, 11 % of potential donors were not recommended for the transplantation due to marked ambivalence about the operation. After donation 26 % of donors showed high values for anxious depression and physical complaints despite low rates of surgical complications.
Conclusions: For clinical psychosomatic evaluations of potential donors it is important to provide donors an opportunity to report any misgivings and anxieties as openly as possible. The psychosocial impairment and physical complaints of some donors after transplantation are yet not clearly understood. More psychosocial studies in this field will be necessary to investigate ethical questions and to develop criteria for an evidence-based medical care of living donors.
Keywords
Living Donor – Liver Transplantation – Medical Ethics – Psychosocial Evaluation – Psychosocial Outcome – Review
Objectives: Living donor liver transplantation (LDLT) has been gaining importance in the treatment of endstage liver disease in adults. Thus far, only few empirical studies have been published on the psychosocial situation of donors who are faced with the risk of medical complications after resection of the right hepatic lobe. The aims were to describe the clinical problems before and after transplantation and to contribute to the discussion of ethical issues based on empirical findings.
Methods: In the present overview, the pre-/post-transplant and follow-up periods are characterized from a psychosocial point of view using actual psychosocial and medical findings in living donors of the right hepatic lobe.
Results: Before LDLT, 11 % of potential donors were not recommended for the transplantation due to marked ambivalence about the operation. After donation 26 % of donors showed high values for anxious depression and physical complaints despite low rates of surgical complications.
Conclusions: For clinical psychosomatic evaluations of potential donors it is important to provide donors an opportunity to report any misgivings and anxieties as openly as possible. The psychosocial impairment and physical complaints of some donors after transplantation are yet not clearly understood. More psychosocial studies in this field will be necessary to investigate ethical questions and to develop criteria for an evidence-based medical care of living donors.
Keywords
Living Donor – Liver Transplantation – Medical Ethics – Psychosocial Evaluation – Psychosocial Outcome – Review
Cord Benecke und Rainer Krause
Initiales mimisch-affektives Verhalten und Behandlungszufriedenheit in der Psychotherapie von Patientinnen mit Panikstörungen
346
Fragestellung: Ausgehend von Charakterisierungen der Psychodynamik von Panikpatienten und vorliegenden Befunden zu deren mimisch-affektivem Beziehungsverhalten in ersten Psychotherapie-Sitzungen, werden Hypothesen zum mimisch-affektiven Verhalten der Therapeuten und dem Zusammenhang mit der Behandlungszufriedenheit formuliert.
Methode: Das mittels EMFACS erfasste mimisch-affektive Verhalten von zwanzig Patientinnen mit einer Panikstörung und ihrer Therapeuten in der ersten Behandlungssitzung wird mit Ratings der Behandlungszufriedenheit am Behandlungsende korreliert.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass Therapeuten von Panikpatientinnen weniger Affektmimik als ihre Patientinnen zeigen, insbesondere weniger Lächeln. Entsprechend der Hypothesen korreliert die Häufigkeit von Lächeln negativ mit Ratings zur Behandlungszufriedenheit. Die Therapeuten passen ihr Interaktionsverhalten den Beziehungsangeboten der Patientinnen an.
Diskussion: Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der spezifischen Psychodynamik von Panikpatientinnen diskutiert und zeigen, wie früh spezifische Beziehungsgestaltungen wirksam sind. Bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Beziehungsangebote der Patientinnen erfahren die Ergebnisse eine starke Differenzierung, die zeigen, dass der interaktive Handlungsdialog sehr spezifisch gestaltet werden muss, um eine veränderungswirksame therapeutische Beziehung zu etablieren.
Methode: Das mittels EMFACS erfasste mimisch-affektive Verhalten von zwanzig Patientinnen mit einer Panikstörung und ihrer Therapeuten in der ersten Behandlungssitzung wird mit Ratings der Behandlungszufriedenheit am Behandlungsende korreliert.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass Therapeuten von Panikpatientinnen weniger Affektmimik als ihre Patientinnen zeigen, insbesondere weniger Lächeln. Entsprechend der Hypothesen korreliert die Häufigkeit von Lächeln negativ mit Ratings zur Behandlungszufriedenheit. Die Therapeuten passen ihr Interaktionsverhalten den Beziehungsangeboten der Patientinnen an.
Diskussion: Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der spezifischen Psychodynamik von Panikpatientinnen diskutiert und zeigen, wie früh spezifische Beziehungsgestaltungen wirksam sind. Bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Beziehungsangebote der Patientinnen erfahren die Ergebnisse eine starke Differenzierung, die zeigen, dass der interaktive Handlungsdialog sehr spezifisch gestaltet werden muss, um eine veränderungswirksame therapeutische Beziehung zu etablieren.
Initial Affective Facial Behaviour and Outcome Satisfaction in the Psychotherapy of Patients with Panic Disorder
Objectives: On the basis of characterizations of the psychodynamics of panic patients and previous findings on their affective facial behavior in first psychotherapy sessions, hypotheses are made on affective facial behavior of the therapist and its relationship to outcome satisfaction.
Methods: Affective facial behaviour in 20 female patients with panic disorder and their male therapists in the first session of psychotherapy was coded with EMFACS. The data of facial behaviour was correlated with outcome ratings at the end of treatment.
Results: Therapists show less affective facial behaviour than panic patients; particularly, they smile less frequently. The frequency of smiling in the first session correlated negatively with outcome ratings. Therapists adapted their interactive behaviour to the relationship offers of their patients.
Conclusions: The results are discussed on the background of the psychodynamics of panic disorders. Considering the different relationship offers, the results indicate that the interactive dialogue should be formed very specifically in order to create a helpful therapeutic relationship.
Keywords
Panic Disorder – Affective Facial Behaviour – Therapeutic Relationship – Outcome-Satisfaction
Objectives: On the basis of characterizations of the psychodynamics of panic patients and previous findings on their affective facial behavior in first psychotherapy sessions, hypotheses are made on affective facial behavior of the therapist and its relationship to outcome satisfaction.
Methods: Affective facial behaviour in 20 female patients with panic disorder and their male therapists in the first session of psychotherapy was coded with EMFACS. The data of facial behaviour was correlated with outcome ratings at the end of treatment.
Results: Therapists show less affective facial behaviour than panic patients; particularly, they smile less frequently. The frequency of smiling in the first session correlated negatively with outcome ratings. Therapists adapted their interactive behaviour to the relationship offers of their patients.
Conclusions: The results are discussed on the background of the psychodynamics of panic disorders. Considering the different relationship offers, the results indicate that the interactive dialogue should be formed very specifically in order to create a helpful therapeutic relationship.
Keywords
Panic Disorder – Affective Facial Behaviour – Therapeutic Relationship – Outcome-Satisfaction
Gabriele Helga Franke, Thilo Hoffmann und Jörg Frommer
Entspricht die Symptombesserung vier Wochen nach Behandlungsbeginn dem Erfolg in der Ein-Jahres-Katamnese?
360
Fragestellung: Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage nach der Verlaufsdynamik von Symptombesserung und der Besserung interpersonaler Probleme während und nach stationärer psychodynamischer Langzeitpsychotherapie.
Methode: Die Untersuchung der Fragestellung erfolgte an 256 SCL-90-R und IIPD- Datensätzen, die von 64 Patienten der Abteilung für Psychotherapeutische Medizin des Fachkrankenhauses Jerichow (Sachsen-Anhalt) zu jeweils vier Messzeitpunkten gewonnen wurden. Die Messung erfolgte zu Beginn der stationären Behandlung (t0), vier Wochen nach Beginn (t1), am Ende (t2) und ein Jahr nach Beendigung der Krankenhausbehandlung (t3).
Ergebnisse: Die Symptombesserung vier Wochen nach Behandlungsbeginn entsprach dem Erfolg in der Ein-Jahres-Katamnese. Die globale psychische Belastung besserte sich von hohen Werten zur Aufnahme schon nach vier Wochen (Effektstärke d(GSI) = 0,82) stationärem Aufenthalt. Diese Verbesserung steigerte sich bis zur Entlassung (d = 1,11) nach weiteren drei Wochen und fiel nach einem Jahr auf die Werte nach vier Wochen zurück (d = 0,85). Die deutlichsten Verbesserungen zeigten sich bei den Subskalen Depressivität, Ängstlichkeit und Zwanghaftigkeit. Bei den interpersonalen Problemen fand sich eine kontinuierliche Zunahme der geringen Stanine-Werte von der Aufnahme bis zur Ein-Jahres-Katamnese bei den Skalen Autokratisch/dominant sowie Streitsüchtig/konkurrierend. Eine kontinuierliche Abnahme der hohen Stanine-Werte von der Aufnahme bis zur Ein-Jahres-Katamnese fand sich bei den Skalen Introvertiert/sozial vermeidend, Selbstunsicher/unterwürfig, Ausnutzbar/nachgiebig.
Diskussion: Die erste Phase von vier Wochen stationärer psychodynamischer Psychotherapie genügt nicht, um eine optimale Besserung der psychischen und interpersonalen Probleme zu erreichen. In Bezug auf die Stabilität psychodynamisch erzielter Effekte zeigte sich gerade im interpersonalen Bereich, dass sich in den ersten vier Wochen angestoßene Veränderungen bis zur Entlassung und darüber hinaus noch ein Jahr später positiv weiter entwickelten.
Methode: Die Untersuchung der Fragestellung erfolgte an 256 SCL-90-R und IIPD- Datensätzen, die von 64 Patienten der Abteilung für Psychotherapeutische Medizin des Fachkrankenhauses Jerichow (Sachsen-Anhalt) zu jeweils vier Messzeitpunkten gewonnen wurden. Die Messung erfolgte zu Beginn der stationären Behandlung (t0), vier Wochen nach Beginn (t1), am Ende (t2) und ein Jahr nach Beendigung der Krankenhausbehandlung (t3).
Ergebnisse: Die Symptombesserung vier Wochen nach Behandlungsbeginn entsprach dem Erfolg in der Ein-Jahres-Katamnese. Die globale psychische Belastung besserte sich von hohen Werten zur Aufnahme schon nach vier Wochen (Effektstärke d(GSI) = 0,82) stationärem Aufenthalt. Diese Verbesserung steigerte sich bis zur Entlassung (d = 1,11) nach weiteren drei Wochen und fiel nach einem Jahr auf die Werte nach vier Wochen zurück (d = 0,85). Die deutlichsten Verbesserungen zeigten sich bei den Subskalen Depressivität, Ängstlichkeit und Zwanghaftigkeit. Bei den interpersonalen Problemen fand sich eine kontinuierliche Zunahme der geringen Stanine-Werte von der Aufnahme bis zur Ein-Jahres-Katamnese bei den Skalen Autokratisch/dominant sowie Streitsüchtig/konkurrierend. Eine kontinuierliche Abnahme der hohen Stanine-Werte von der Aufnahme bis zur Ein-Jahres-Katamnese fand sich bei den Skalen Introvertiert/sozial vermeidend, Selbstunsicher/unterwürfig, Ausnutzbar/nachgiebig.
Diskussion: Die erste Phase von vier Wochen stationärer psychodynamischer Psychotherapie genügt nicht, um eine optimale Besserung der psychischen und interpersonalen Probleme zu erreichen. In Bezug auf die Stabilität psychodynamisch erzielter Effekte zeigte sich gerade im interpersonalen Bereich, dass sich in den ersten vier Wochen angestoßene Veränderungen bis zur Entlassung und darüber hinaus noch ein Jahr später positiv weiter entwickelten.
Does Improvement of Symptoms Four Weeks after the Begin of Psychodynamic Inpatient Psychotherapy Correspond to Long Term Outcome?
Objectives: This study was conducted to explore differentiated aspects of outcome throughout and one year after psychodynamic inpatient psychotherapy with special regard to symptomatic distress and interpersonal behaviour.
Methods: Sixty-four patients of the Department of Psychotherapeutic Medicine of the Jerichow Hospital (Saxonia-Anhaltina) were investigated with the SCL-90-R and the IIP-D four times: at the beginning of inpatient psychotherapy (t0), four weeks after (t1), at the end (t2), and one year after discharge (t3).
Results: The improvement of symptoms four weeks after the beginning of psychodynamic inpatient psychotherapy is equivalent with long term outcome. The Global Severity Index of SCL-90-R demonstrated a statistically significant change from markedly psychological distress to lack of distress after four weeks psychodynamic inpatient psychotherapy (effect-size d(GSI) = 0.82). At the end of psychotherapy, three weeks later, the effect-size was d = 1.11, and one year after discharge the effect-size decreased again to d = 0.85. Major improvements demonstrated the SCL-90-R subscales Depression, Anxiety, and Obsessive/Compulsive. Regarding interpersonal problems, the subscales Dominance, and Competitive demonstrated statistically significant changes from low Stanine-scores at t0 to higher scores one year after discharge. The subscales Socially avoidant, Nonassertive, and Exploitable demonstrated statistical significant changes from high levels at t0 to lower scores after one year.
Discussion: In conclusion the first four weeks of psychodynamic psychotherapy are not sufficient to demonstrate an optimum level of low psychological distress as well as an optimum change in interpersonal problems. Regarding stability of the effects of psychodynamic inpatient psychotherapy it was demonstrated that the first four weeks initiated changes which improved at the end of psychotherapy until one year after discharge.
Keywords
Psychodynamic Inpatient Psychotherapy – SCL-90-R – IIP-D – Effect Size
Objectives: This study was conducted to explore differentiated aspects of outcome throughout and one year after psychodynamic inpatient psychotherapy with special regard to symptomatic distress and interpersonal behaviour.
Methods: Sixty-four patients of the Department of Psychotherapeutic Medicine of the Jerichow Hospital (Saxonia-Anhaltina) were investigated with the SCL-90-R and the IIP-D four times: at the beginning of inpatient psychotherapy (t0), four weeks after (t1), at the end (t2), and one year after discharge (t3).
Results: The improvement of symptoms four weeks after the beginning of psychodynamic inpatient psychotherapy is equivalent with long term outcome. The Global Severity Index of SCL-90-R demonstrated a statistically significant change from markedly psychological distress to lack of distress after four weeks psychodynamic inpatient psychotherapy (effect-size d(GSI) = 0.82). At the end of psychotherapy, three weeks later, the effect-size was d = 1.11, and one year after discharge the effect-size decreased again to d = 0.85. Major improvements demonstrated the SCL-90-R subscales Depression, Anxiety, and Obsessive/Compulsive. Regarding interpersonal problems, the subscales Dominance, and Competitive demonstrated statistically significant changes from low Stanine-scores at t0 to higher scores one year after discharge. The subscales Socially avoidant, Nonassertive, and Exploitable demonstrated statistical significant changes from high levels at t0 to lower scores after one year.
Discussion: In conclusion the first four weeks of psychodynamic psychotherapy are not sufficient to demonstrate an optimum level of low psychological distress as well as an optimum change in interpersonal problems. Regarding stability of the effects of psychodynamic inpatient psychotherapy it was demonstrated that the first four weeks initiated changes which improved at the end of psychotherapy until one year after discharge.
Keywords
Psychodynamic Inpatient Psychotherapy – SCL-90-R – IIP-D – Effect Size
Anke Höflich, Friedhelm Meyer, Jürgen Matzat, Susanne Hartmann, Anne Lotzemer-Jentges, Franz Bleichner, Rudolf J. Knickenberg und Manfred E. Beutel
Inanspruchnahme von Selbsthilfegruppen durch Patienten einer psychosomatischen Klinik
373
Fragestellung: Selbsthilfegruppen wurden in der psychosomatisch-psychotherapeutischen Forschung vernachlässigt. Diese Studie beschäftigt sich daher mit dem Stellenwert von Selbsthilfegruppen in der Behandlungskarriere von Patienten einer psychosomatischen Klinik.
Methode: Vorerfahrungen mit Selbsthilfegruppen, Therapeutenempfehlungen und Pläne für künftige Selbsthilfegruppenteilnahme wurden bei 1.604 Patienten bei Aufnahme und Entlassung aus einer psychosomatischen Behandlung untersucht.
Ergebnisse: Patienten mit Selbsthilfegruppen-Erfahrungen (12 % aller Patienten) waren älter, gebildeter und hatten mehr Psychotherapie in Anspruch genommen. Sie berichteten eine längere Krankheitsdauer, mehr interpersonale Probleme und geringere soziale Unterstützung. 23% beabsichtigten zukünftig an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. 19 % wurde dies von den Therapeuten empfohlen, was ihre Entscheidung deutlich beeinflusste.
Diskussion: Selbsthilfegruppen werden häufig von psychisch und psychosomatisch Kranken in Anspruch genommen. Die Bedeutung von Selbsthilfegruppen in der Versorgung stationärer Patienten und Implikationen für die Beratung von Patienten werden diskutiert.
Methode: Vorerfahrungen mit Selbsthilfegruppen, Therapeutenempfehlungen und Pläne für künftige Selbsthilfegruppenteilnahme wurden bei 1.604 Patienten bei Aufnahme und Entlassung aus einer psychosomatischen Behandlung untersucht.
Ergebnisse: Patienten mit Selbsthilfegruppen-Erfahrungen (12 % aller Patienten) waren älter, gebildeter und hatten mehr Psychotherapie in Anspruch genommen. Sie berichteten eine längere Krankheitsdauer, mehr interpersonale Probleme und geringere soziale Unterstützung. 23% beabsichtigten zukünftig an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. 19 % wurde dies von den Therapeuten empfohlen, was ihre Entscheidung deutlich beeinflusste.
Diskussion: Selbsthilfegruppen werden häufig von psychisch und psychosomatisch Kranken in Anspruch genommen. Die Bedeutung von Selbsthilfegruppen in der Versorgung stationärer Patienten und Implikationen für die Beratung von Patienten werden diskutiert.
Utilization and Significance of Self-Help Groups in Treatment Careers of Psychosomatic Inpatients
Objectives: Patients’ self-help group participation has been neglected in psychotherapy research. This study determines previous self-help group experience, therapist recommendations and plans for future participation.
Methods: 1,604 patients were surveyed by questionnaire at intake and discharge from psychosomatic treatment regarding previous self-help experiences, therapist recommendation and plans for future self-help participation.
Results: Patients with self-help experience (12 %) were slightly older and more educated. They reported a longer duration of disease, more previous psychotherapy, more interpersonal problems and less social support compared to non-participants. At discharge, a total of 23 % intended to participate in a self-help group. Therapist recommendations (in 19 %) influenced patients’ choices.
Conclusions: The significance of self-help group participation in inpatient care, its significance in treatment careers and implications for consulting patients are discussed.
Keywords
Self-Help Groups – Psychotherapy – Treatment Career – Health Care
Objectives: Patients’ self-help group participation has been neglected in psychotherapy research. This study determines previous self-help group experience, therapist recommendations and plans for future participation.
Methods: 1,604 patients were surveyed by questionnaire at intake and discharge from psychosomatic treatment regarding previous self-help experiences, therapist recommendation and plans for future self-help participation.
Results: Patients with self-help experience (12 %) were slightly older and more educated. They reported a longer duration of disease, more previous psychotherapy, more interpersonal problems and less social support compared to non-participants. At discharge, a total of 23 % intended to participate in a self-help group. Therapist recommendations (in 19 %) influenced patients’ choices.
Conclusions: The significance of self-help group participation in inpatient care, its significance in treatment careers and implications for consulting patients are discussed.
Keywords
Self-Help Groups – Psychotherapy – Treatment Career – Health Care
Katharina Köhler, Andreas Regner, Michael Koenigsmann, Astrid Franke und Jörg Frommer
Subjektive Krankheitsvorstellungen bei Patienten mit akuter Leukämie eine Woche nach Diagnosestellung
388
Fragestellung: Untersucht werden subjektive Krankheitsvorstellungen, Behandlungserwartungen und Therapieerfahrungen von Patienten mit akuter Leukämie im Anfangsstadium ihrer Erkrankung.
Methode: Mit 12 an akuter Leukämie erkrankten Patienten wurden in der ersten Behandlungswoche nach Diagnosestellung ausführliche semistrukturierte Interviews durchgeführt. Die transkribierten Interviews wurden mit Methoden der qualitativen Sozialforschung (Grounded Theory, Qualitative Inhaltsanalyse) untersucht. Die Einzelfallauswertungen wurden entsprechend den gefundenen Kategorien überindividuellen Komparationstabellen für die Themenbereiche Beschwerden, Diagnostik, Ursachen, Beeinflussbarkeit, Behandlungserfahrungen und Prognose zugeordnet und fallübergreifend nach Ähnlichkeiten und Kontrasten verglichen.
Ergebnisse: Es finden sich sowohl dramatische, durch überwältigende Vernichtungsbedrohung gekennzeichnete Schilderungen, als auch, vor allem bei älteren Erkrankten, bagatellisierende, rational-nüchterne, auf Daten und Fakten reduzierte Berichte. Passives Ausgeliefertsein und Normalisierungsbestreben werden deutlich. Das Erleben konkret sicht- und spürbarer Integritätsverletzungen des Körpers ist massiv angstbeladen. Die Prognose wird in Relation zur tatsächlichen Bedrohung günstiger eingeschätzt, Todesängste werden nur indirekt angedeutet.
Diskussion: Die Ergebnisse haben praktische Konsequenzen sowohl für Patientenschulungen als auch für die psychoonkologische Fortbildung.
Methode: Mit 12 an akuter Leukämie erkrankten Patienten wurden in der ersten Behandlungswoche nach Diagnosestellung ausführliche semistrukturierte Interviews durchgeführt. Die transkribierten Interviews wurden mit Methoden der qualitativen Sozialforschung (Grounded Theory, Qualitative Inhaltsanalyse) untersucht. Die Einzelfallauswertungen wurden entsprechend den gefundenen Kategorien überindividuellen Komparationstabellen für die Themenbereiche Beschwerden, Diagnostik, Ursachen, Beeinflussbarkeit, Behandlungserfahrungen und Prognose zugeordnet und fallübergreifend nach Ähnlichkeiten und Kontrasten verglichen.
Ergebnisse: Es finden sich sowohl dramatische, durch überwältigende Vernichtungsbedrohung gekennzeichnete Schilderungen, als auch, vor allem bei älteren Erkrankten, bagatellisierende, rational-nüchterne, auf Daten und Fakten reduzierte Berichte. Passives Ausgeliefertsein und Normalisierungsbestreben werden deutlich. Das Erleben konkret sicht- und spürbarer Integritätsverletzungen des Körpers ist massiv angstbeladen. Die Prognose wird in Relation zur tatsächlichen Bedrohung günstiger eingeschätzt, Todesängste werden nur indirekt angedeutet.
Diskussion: Die Ergebnisse haben praktische Konsequenzen sowohl für Patientenschulungen als auch für die psychoonkologische Fortbildung.
Illness Perceptions of Patients Suffering from Acute Leukaemia One Week after Diagnosis
Objectives: To investigate illness perceptions, treatment expectations, and treatment experiences of patients suffering from acute leukaemia in the initial stage of their disease.
Methods: In the first week of treatment we interviewed twelve patients with acute leukaemia using a detailed semi-structured interview guide. To investigate the transcribed interviews we applied methods of qualitative research. Case analyses were assigned to interindividual comparison tables representing the following subject areas: complaints, diagnostics, causes, controllability, treatment experiences, and prognosis. This allowed us to describe similarities and contrasts.
Results: Dramatic narrations of overwhelming threat in younger patients are in contrast to downplaying, rationalizing, and factual descriptions especially in elderly patients. Feelings of helplessness and efforts of normalization become apparent. Experiences of visible and sensible physical injury are perceived as threatening. Prognosis is estimated as too positive. Mortal fears are only indirectly indicated.
Conclusions: Our results have practical consequences for both patient education and psycho-oncological training.
Keywords
Lay Theories – Cancer – Leukaemia – Qualitative Research – Content Analysis
Objectives: To investigate illness perceptions, treatment expectations, and treatment experiences of patients suffering from acute leukaemia in the initial stage of their disease.
Methods: In the first week of treatment we interviewed twelve patients with acute leukaemia using a detailed semi-structured interview guide. To investigate the transcribed interviews we applied methods of qualitative research. Case analyses were assigned to interindividual comparison tables representing the following subject areas: complaints, diagnostics, causes, controllability, treatment experiences, and prognosis. This allowed us to describe similarities and contrasts.
Results: Dramatic narrations of overwhelming threat in younger patients are in contrast to downplaying, rationalizing, and factual descriptions especially in elderly patients. Feelings of helplessness and efforts of normalization become apparent. Experiences of visible and sensible physical injury are perceived as threatening. Prognosis is estimated as too positive. Mortal fears are only indirectly indicated.
Conclusions: Our results have practical consequences for both patient education and psycho-oncological training.
Keywords
Lay Theories – Cancer – Leukaemia – Qualitative Research – Content Analysis
Tilman Grande, Rainer Dahlbender, Henning Schauenburg, Michael Stasch und Manfred Cierpka
Neue Möglichkeiten der Diagnostik dysfunktionaler Beziehungen – die Beziehungsachse der OPD-2
403
Es wird die Beziehungsachse der neuen Version der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD-2) vorgestellt, die auf der Grundlage bisheriger Forschungen und der klinischen Anwendung des OPD-Systems entwickelt wurde. Die neue Version zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: Das Beziehungsrating ist konsequenter an die Logik des Zirkumplexmodells interpersonellen Verhaltens angepasst. Dadurch wird das Spektrum der zur Verfügung stehenden Auswertungsmethoden erweitert. Weiter wird ein Verfahren zur Herstellung einer beziehungsdynamischen Formulierung eingeführt, mit dem die Ergebnisse des Ratings in eine klinisch handhabbare Form gebracht werden. Diese kann als Orientierung für die psychotherapeutische Arbeit und für die Bestimmung therapeutischer Beziehungsfoki genutzt werden. Schließlich wird eine vereinfachte Variante der Beziehungsdiagnostik für Routineanwendungen angeboten, mit der zentrale Beziehungsthemen eines Patienten, aber auch Beziehungsressourcen erfasst werden.
New Diagnostic Alternatives for Dysfunctional Relationships: The Relationship Axis of the OPD-2
As a part of the new version of Operationalized Psychodynamic Diagnosis (OPD-2), the relationship axis is introduced which was developed on the basis of research and clinical work with the OPD-1. It provides a procedure indicating dysfunctional relationship patterns. The new version is characterized by the following qualities: The relationship axis is based more consequently on the circumplex model of interpersonal behaviour. Therefore, it is suitable for a broader range of evaluation methods linked to this model. It also contains instructions on how to draw a summary of relationship dynamics. Thus the results of the diagnostic assessment can be summarized for clinical and practical purposes and used directly for therapeutic work. In addition, a simplified version of the rating procedure enables identification of the patient’s significant problematic relationship themes and his or her personal resources.
Keywords
Operationalized Psychodynamic Diagnosis – Relationship Patterns – Interpersonal Focus – Circumplex Model
As a part of the new version of Operationalized Psychodynamic Diagnosis (OPD-2), the relationship axis is introduced which was developed on the basis of research and clinical work with the OPD-1. It provides a procedure indicating dysfunctional relationship patterns. The new version is characterized by the following qualities: The relationship axis is based more consequently on the circumplex model of interpersonal behaviour. Therefore, it is suitable for a broader range of evaluation methods linked to this model. It also contains instructions on how to draw a summary of relationship dynamics. Thus the results of the diagnostic assessment can be summarized for clinical and practical purposes and used directly for therapeutic work. In addition, a simplified version of the rating procedure enables identification of the patient’s significant problematic relationship themes and his or her personal resources.
Keywords
Operationalized Psychodynamic Diagnosis – Relationship Patterns – Interpersonal Focus – Circumplex Model
Gerhard Schüßler
Blick in internationale Zeitschriften (Looking into international journals)
419
Aktuelle Informationen aus der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Thomas H. Loew
»Common Trail« statt »Common Trunk« – Übereinstimmendes und Unterschiedliches in den Weiterbildungen zum Psychosomatiker und zum Psychiater
424
Reviewer 2004/2005
430
Preise
432
Tagungskalender (Congress dates)
434
Mitteilungen und Personalia (News)
437
Die Autoren dieses Heftes (The authors in this issue)
438