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Jan Eike Dunkhase

Werner Conze

Ein deutscher Historiker im 20. Jahrhundert


Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 194
1. Auflage 2010
378 Seiten, gebunden
39,95 € [D]
ISBN 978-3-525-37012-4

Kurzinformationen

Ein Wegbereiter der Sozialgeschichte

Ausführliche Informationen

Werner Conze (1910–1986) zählt zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten deutschen Historikern im 20. Jahrhundert. Mit seinen sozial- und begriffsgeschichtlichen Pionierleistungen trug er nach 1945 wesentlich zur Perspektiverweiterung der westdeutschen Geschichtswissenschaft bei. Als junger Historiker hatte er dem Nationalsozialismus entgegengearbeitet, wozu er nach dem Krieg nie öffentlich Stellung nahm. Auf der Grundlage eines neu erschlossenen Nachlasses und weiterer bislang unberücksichtigter Quellen verfolgt die Biographie die wissenschaftlichen und politischen Metamorphosen des Historikers zwischen Drittem Reich und Bundesrepublik.

Nach eingehender Untersuchung der frühen Jahre bis Kriegsende wechselt die Darstellung von einem einzelnen linearen Erzählstrang in die Multiperspektivität mehrerer Geschichten über, die jeweils die paradigmatische Frage nach Kontinuität und Bruch in seinem Werk und Wirken aufwerfen. So geht es um die liberal-bürgerliche Restauration des Hochschullehrers in Westdeutschland, den Umschwung von der Volksgeschichte des deutschen Bauerntums zur Sozialgeschichte der industriellen Welt, die andauernde Orientierung am zentralen Leitbild der Nation, das geschichtspolitische Wirken im Ost-West-Konflikt, die der Tendenz nach apologetische Zeitgeschichtsschreibung und zuletzt die Marginalisierung des Holocaust.
Im Ergebnis entsteht das Bild eines konservativen Erneuerers der westdeutschen Geschichtswissenschaft, der sich mit seinen vielfachen Wandlungen einerseits beispielhaft in die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik einreihen lässt, andererseits aber mit seinem Bemühen um die Wahrung von Kontinuität über den Bruch von 1945 hinweg auch die historische Hypothek des Nationalsozialismus verkörpert.

Rezensionen

»Dunkhase ist mit seiner Lebensbeschreibung des Historikers Werner Conze [...] eine vorzügliche biografische Studie gelungen.«
Klaus-Jürgen Bremm, literaturkritik.de
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»Ein ungeheuer gründliches, von großer Sachkenntnis gekennzeichnetes, angenehm und streckenweise in ironischem Ton geschriebenes Buch […] Dunkhases Verdienst ist es, Conze viel facettenreicher vorzustellen, als man ihn bisher kannte.«
Christof Dipper, WerkstattGeschichte
»... hochinformativ und flüssig geschrieben ...«
Rainer Blasius, FAZ
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»Ein wichtiger Beitrag zur deutschen Historiographiegeschichte […], der auch die Vorzüge der Biographik hervortreten lässt, und dessen Fragestellungen aufzeigen, dass die Debatte um die deutschen Historiker im 20. Jahrhundert und die Kontinuitäten und Brüche jenseits der Zäsur von 1945 noch nicht abgeschlossen ist.«
Christoph Brüll, Wissenschaftlicher Literaturanzeiger
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»Es gehört zu den zahlreichen Verdiensten von Jan Eike Dunkhase profunder Studie, auch auf die noch ungeöffneten Seiten des Fotoalbums neugierig zu machen.«
Christoph Nonn, H-Soz-u-Kult
Zur vollständigen Besprechung
»Eindrucksvoll.«
Christoph Schmidt, Neues Osteuropa
»Eine höchst willkommene Zusammenfassung, Abrundung und Weiterführung dessen, was wir über einen der methodisch und wissenschaftsorganisatorisch einflussreichsten Historiker der alten Bundesrepublik wissen können.«
Eduard Mühle, Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung
»Mit Dunkhases Studie [wird] die biographische Lücke zu einem der wichtigsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts insgesamt überzeugend geschlossen.«
Edgar Liebmann, Das Historisch-Politische Buch
»Eine neuartige Perspektivenvielfalt auf der Basis eines unausgewerteten Nachlasses.«
Franz Schneider, Rhein-Neckar-Zeitung
»Jan Eike Dunkhase hat eine methodisch überzeugende, quellengesättigte und gut lesbare Biographie eines bedeutenden Heidelberger Historikers vorgelegt.«
Martin Krauß, Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt
»Der Autor argumentiert plausibel und wertet fair.«
Dieter Langewiesche, Historische Zeitschrift

Inhalt

Einleitung

I. Soziokulturelle Hintergründe
1. Herbst des Bildungsbürgertums
2. Jüngling im Männerbund

II. Lehrmeister und Lehrstätten
1. Leipziger Soziologie und Volksgeschichte
2. Ostpreußen und Baltikum

III. Volkstumskampf und Kriegsdienst
1. Ankunft in der Volksgemeinschaft
2. Ostforschung
3. »Entjudung«
4. Karrieresprünge und Vernichtungskrieg

IV. Westdeutsches Gelehrtendasein
1. Standortsuche im Westen
2. Heidelberger Ordinarius
3. Bundesrepublikanische Bürgerlichkeit
4. Im Kampf um Rektorat und Hochschulreform
5. Historicus Magister Vitae

V. Sozialgeschichte der industriellen Welt
1. Vom Bauern zum Arbeiter
2. Strukturgeschichte in der Formverwandlung
3. Weg zur Begriffsgeschichte
4. Ausklang in Kritik

VI. Im Bann der Nation

VII. Zwischen West und Ost
1. Kalter Krieg
2. Neue Ostpolitik

VIII. Erlebte Zeitgeschichte
1. »Ataraxie« und Kriegsgeschichten
2. Brüning und die Staatskrise von 1930 bis 1933
3. Hitler und die Deutschen

IX. Die Leerstelle

Schluss

Abkürzungen
Quellen- und Literaturverzeichnis
Register