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Bettina Brandt

Germania und ihre Söhne

Repräsentationen von Nation, Geschlecht und Politik in der Moderne


Historische Semantik, Band 10
1. Auflage 2010
477 Seiten mit 25 farbigen und 51 s/w Abb., gebunden
59,95 € [D]
Bei Abnahme der Reihe: 53,95 € [D]
Information zu den Serienpreisen
ISBN 978-3-525-36710-0

Ausführliche Informationen

Wie ihre europäischen Schwestern Gallia/La France/Marianne, Britannia oder Italia geht auch die Personifikation der »Germania« auf die Antike zurück. Als Verkörperung einer deutschen Nation war sie jedoch eine neuzeitliche Erfindung – mit langfristigen Folgen: Bis in das 20. Jahrhundert vermittelten literarische und visuelle Bilder Deutschlands als Mutter, Braut oder Kriegerin Botschaften über eine gefährdete Nation, die von ihren Männern und Söhnen geschützt oder befreit werden sollte. In ihrer Symbolgeschichte der »Germania« nimmt Bettina Brandt die sich wandelnden Beziehungsgeschichten einer deutschen Nation in den Blick und untersucht den Stellenwert und die semantischen Funktionen von Geschlechterbildern in nationalen und politischen Diskursen der Moderne. Dabei zeigt sich nicht nur, dass im Familien- und Liebestheater der »Germania« konkurrierende Vorstellungen von Nation und politischer Teilhabe zur Aufführung kamen. Die Langzeitperspektive verdeutlicht vor allem, dass die emanzipatorischen und partizipatorischen Verheißungen der modernen Nation auf einer neuartig formulierten Geschlechterordnung beruhten, in der Weiblichkeit die Grenzen dieser Verheißungen verkörperte.

Die Differentsetzung von weiblicher Nation und männlichen Gleichen, von Natur und Geschichte – ausgesöhnt im Motiv der (Vaterlands-)Liebe – war ebenso Voraussetzung für die Semantik der Egalität und Partizipation, wie sie Weiblichkeit aus deren Geltungsbereich: dem Kreis männlicher Subjekte, dem nationalen Bruderbund, ausschloss. Die politische Symbolik einer stets zu überwindenden Nicht-Identität zwischen Männlichkeit und Nation erwies sich für die bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen des 19. Jahrhunderts als überaus produktiv. Nach der Gründung eines deutschen Nationalstaates wurde sie jedoch problematisch: Nation, Staat und Männlichkeit sollten auch symbolisch eins werden. Als Ausdruck einer sich demokratisierenden Massengesellschaft wurde das weibliche Nationalsymbol, auf das sich Liberale, Sozialdemokraten und die Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung beriefen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Zielscheibe einer radikalnationalistischen Kulturkritik, deren nationale Erneuerungs- und Größenphantasien im Bild des männlichen Heldenkörpers Gestalt annahmen.

Rezensionen

»Bettina Brandts exzellente Studie macht sinnfällig, wie sehr wir von unseren Bildern und Zuordnungen bis heute geprägt sind.«
Pieke Biermann, Deutschlandradio Kultur
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»...füllt [...] eine wichtige Forschungslücke...«
Karen Hagemann, www.sehepunkte.de
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