Bürger mit Turban
Muslime in Delhi im 19. Jahrhundert
Bürgertum Neue Folge, Band 5
1. Auflage 2008
XII, 404 Seiten, gebunden
49,95 € [D]
ISBN 978-3-525-36843-5
Ausgezeichnet mit dem Habilitationspreis des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands 2008
Das Historische Buch 2009 bei H-Soz-u-Kult: Ausgezeichnet mit dem 4. Rang in der Kategorie Außereuropäische Geschichte
Kurzinformationen
Kann ein Turbanträger Bürger sein?Ausführliche Informationen
Delhi, die alte Hauptstadt der Moghuln, hatte im kolonialen 19. Jahrhundert trotz seines politischen Niedergangs immer noch eine starke kulturelle Ausstrahlungskraft. Es bildete sich ein muslimisches Bürgertum heraus, dessen Aufstiegsstrategie nicht Säkularisierung, sondern demonstrative Frömmigkeit war. Welche Bedeutung hatte die Religion für die Selbstdefinition des muslimischen Bürgertums? Diese Frage behandelt Margrit Pernau und verfolgt damit die Einflüsse und Ausprägungen des Islam in ihrem historischen und sozialen Kontext. Sie zeigt, für welche Gruppen und zu welcher Zeit sich religionsübergreifend plurale Identitäten entwickelten und wo sie die Religion prägten und von ihr geprägt wurden.
Rezensionen
»Das große Verdienst dieses Buches ist es, dass es nicht nur einen hervorragenden Beitrag zur indischen Geschichte leistet, sondern auch die Bürgertumsforschung insgesamt bereichern dürfte.«
David Motadel, Süddeutsche Zeitung
»Eine reflektierte und differenzierte Verflechtungsgeschichte, wie sie Pernau in ihrer Studie bietet, birgt ... auch die Möglichkeit einer wahrhaft ›verflochtenen Historiographie‹.«
Andreas Eckert, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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»Beides – die anvisierte Methode und die Darstellung historischer Prozesse – sind äußerst anspruchsvolle und spannende Themenfelder, die bei einem weit gefassten Fachpublikum Interesse finden können. So sei es gleich zu Beginn gesagt, dass Pernau ein äußerst anregendes Buch gelungen ist.«
Melitta Waligora, H-Net Reviews
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»Bürger mit Turban hat es verdient, mehr als nur von einem deutschsprachigen akademischen Publikum rezipiert zu werden.«
Michael Mann, Internationales Asienforum
»[...] ein beeindruckendes und zugleich in der Darstellung fesselndes Werk [...]«
Gunter Mulack, Orient
»Das Buch ist mit feinstem Gespür für Nuancen geschrieben, rechnet mit allen möglichen Tücken des interkulturellen Vergleichs und lotet sämtliche Möglichkeiten der Beziehungsgeschichte (vor deren Verabsolutierung gewarnt wird) aus.«
Jürgen Osterhammel, Historische Zeitschrift
»Bei dem Buch handelt es sich um ein Meisterwerk des transkulturellen Vergleichs.«
Benedikt Stuchtey, Archiv für Sozialgeschichte Online
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Inhalt
I. Einleitung1. Vom Vergleich zur entangled history
2. Plurale Identitäten
3. Forschungsstand, Quellenmaterial und Aufbau der Arbeit
II. Briten und Moghuln
1. Die Errichtung der britischen Herrschaft
1.1. Mächte und Bündnisse: Nordindien zu Beginn des 19. Jahrhunderts
1.2. Die Eroberung Delhis und die Moghuln
1.3. Der Aufstand von 1807: Herrschaftslegitimation, Öffentlichkeit und Informationspolitik
2. Religion und Frömmigkeit
2.1. Der mystische Islam: die Sufis des Chishti Ordens
2.2. Reformbewegungen im Sufismus: der Naqshbandi Orden
2.3. Die Schule von Shah Abd ul Aziz
3. Familie und Abstammungsgemeinschaft
3.1. Die Repräsentation sozialer Gruppen
3.2. Von der indirekten Herrschaft zur bürokratischen Landverwaltung
3.3. Drei Fallstudien: der Fürst, der Arzt und der Rechtsgelehrte
4. Das Ende der Weißen Moghuln und der Beginn einer neuen Öffentlichkeit
4.1. Sir Edward Colebrooke: »Friendly intercourse with the natives«?
4.2. William Fraser: Ermordung eines Weißen Moghuln
4.3. Das Delhi College: Stätte der Begegnung zwischen Ost und West?
4.4. Vereine und Zeitungen
5. Adlige Damen, Kurtisanen und die Reform der weiblichen Sitten
5.1. Der britische Kampf gegen die Macht hinter dem Schleier
5.2. Geliebt und verachtet: die Kurtisanen
5.3. Wider die schamlosen Sitten: die islamische Erziehung der Frauen
6. Religionsgemeinschaften in der Auseinandersetzung
6.1. Mission, jihad und Emigration
6.2. Kuhschlachtung: die Definition einer Tradition
6.3. Sunniten und Schiiten: Muharram und das Verfluchten der Kalifen
III. Der Aufstand von 1857
1. Die traditionelle Ordnung: dem Untergang geweiht?
2. Meuterei, Restauration oder Revolution?
3. Die Niederschlagung des Aufstandes und der Kampf um seine Interpretation
IV. Hochblüte des britischen Empires
1. Adel und Bürgertum
1.1. Bewahrung des traditionellen Adels?
1.2. Die Panjabi Händler auf dem Weg zum Wirtschaftsbürgertum
1.3. Ein »bürgerlicher Wertehimmel« über Delhi?
2. Religiöse Identitäten zwischen Säkularisierung und Reislamisierung
2.1. Die Ausdifferenzierung der Hochschulen
2.2. Ahl-e hadis und Sufis in Delhi
2.3. Die »Laien« und die Selbstverwaltung der religiösen Institutionen
3. Bildung: koloniales System und Kulturnationalismus
3.1. Der Kampf um die staatliche Patronage
3.2. Die Ausweitung der Bildung und die Anglo Arabic School
3.3. Der Kampf um das kulturelle Erbe: Medizin und die Ausbildung der Ärzte
4. Zivilgesellschaft und koloniale Stadtverwaltung
4.1. Druckereien: Geschäft und Zentren der öffentlichen Meinung
4.2. Die Entwicklung der Vereinskultur
4.3. Die koloniale Stadtverwaltung
5. Die neue Frau
5.1. Romane und Erzählungen für bürgerliche Frauen
5.2. Religiöse Ratgeber für fromme Frauen
5.3. Die Stimme der Frauen
6. Die Politisierung der Gemeinschaften: Kommunalismus und Nationalismus
6.1. Der Kampf um die neue »community«: Homogenisierung und Abgrenzung
6.2. Nationalismus: Auf der Suche nach einer Identität für alle Inder
6.3. Die Khilafatbewegung
V. Schlussbetrachtung
1. Zylinder, Turban und Fez
2. Bürgertum im Okzident und Orient: entangled history oder Vergleich
3. Bürgertum und Religion
VI. Quellen- und Literaturverzeichnis