14.08.2013

Scheiden tut weh! Besonders benachteiligt sind häufig die Väter und Jungen.

Interview mit Professor Dr. Matthias Franz zu seinem neuen Buch »Scheiden tut weh«.
  
Guten Tag, Herr Professor Franz.
»Neue Männer, muss das sein?«, fragten Sie 2011 und haben sich schon damals mit der starken Benachteiligung auseinandergesetzt, denen Männer in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt sind. In Ihrem neuen Buch geht es um Scheidung – aus Sicht der Väter und Jungen. Auch ein Fall von Benachteiligung in Ihren Augen?


Elterliche Trennung oder Scheidung – unter den Folgen leiden alle Betroffenen. Nicht nur die erheblich belasteten alleinerziehenden Mütter, sondern auch die genauso zahlreichen Trennungsväter. Die und deren oft schlechte Gesundheit sind jedoch bislang bedauerlicherweise kaum Gegenstand systematischer Forschung oder Unterstützung. Hier muss sicher mehr geschehen als bisher.
Etwa 200.000 Kinder erleben jedes Jahr in Deutschland die Trennung ihrer Eltern. Aus Untersuchungen wissen wir, dass besonders die Jungen nach konflikthafter Trennung der Eltern gehäuft Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen zeigen oder zu Drogen greifen.
Wir brauchen intelligentere Unterstützungsangebote für sie als die häufig überzogene Verabreichung von Psychopharmaka.
    
Warum liegt Ihnen das Thema so sehr am Herzen?
 
Psychotherapeuten, aber auch ErzieherInnen oder LehrerInnen sind praktisch permanent mit den Folgen elterlicher Beziehungskonflikte und Trennung konfrontiert. Entweder aktuell oder eben mit den nicht seltenen traurigen Langzeitfolgen bei den ehemaligen Kindern noch Jahrzehnte später. Jeder kennt traurige Fälle aus der näheren oder weiteren Umgebung. Ich finde es deshalb wichtig das Geschehen auch mit den Augen der Kinder zu betrachten und sich Gedanken zum Thema der bindungsorientierten Prävention zu machen. Dazu ist erst einmal eine Bestandaufnahme der Fakten notwendig. Auch diesem Ziel dient unser Buch.

Werden die neuen gesetzlichen Entwicklungen zu einer Stärkung der unverheirateten Väter führen und zukünftig Trennungsleid mindern?

Hier zeichnen sich in letzter Zeit – allerdings erst über den Umweg der europäischen Rechtsfindung - Tendenzen ab die häufig marginalisierten Trennungsväter zu stärken. Das gilt besonders für die erheblich benachteiligten ledigen Väter. Es spricht sich langsam herum wie wichtig auch die Väter für die Entwicklung ihrer Kinder sind. Deshalb sollten mehr Anstrengungen erfolgen das Wechselmodell nach einer Scheidung als Normalfall zu etablieren. Aus empirischer Sicht ist das nach einer elterlichen Trennung das Beste für die betroffenen Kinder.
    
Was können darüber hinaus betroffene Männer selbst tun – und wie kann oder sollte die Gesellschaft sie unterstützen?
 
Männer sollen sich Hilfe holen und das möglichst nicht erst, wenn es gar nicht mehr anders geht. Also mit dem Hausarzt frühzeitig über ihre Sorgen und Probleme sprechen, auch den Weg zu einem Psychotherapeuten oder sogar Psychoanalytiker nicht scheuen. Im Falle der Hochstrittigkeit nach einer Trennung - etwa 10 Prozent sind betroffen - alles tun um den Streit nicht ausschließlich juristisch zu eskalieren. Vielen Vätern ist auch gar nicht bewusst wie wichtig ihre praktische und emotionale Gegenwart für die Entwicklung ihrer Kinder ist. Hier müssen viele Männer noch ein stärkeres Selbst- und Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Dazu brauchen sie aber auch deutlich mehr öffentliche Wertschätzung, die sich auch in politisch gewollten, männersensitiven Programmen und Unterstützungsangeboten niederschlägt, wie sie beispielsweise für alleinerziehende Mütter in Form von PALME existiert.
    
Was wünschen Sie sich für Ihr neues Buch?
 

Die Autoren und Herausgeber unseres Buches wollen für ein schwieriges Thema sensibilisieren. Elterliche Trennung ist eigentlich aufgrund der Häufigkeit und der Langzeitrisiken für alle Betroffenen, besonders für die mitbetroffenen Kinder, ein strategisches Thema, das unsere ganze Gesellschaft betrifft. Wir wünschen uns deshalb eine bessere Faktenkenntnis und ein verstärktes Nachdenken der Verantwortlichen aber auch der Betroffenen über mögliche Lösungsschritte in Richtung Prävention. Dies gilt sicher für den psychosozialen Bereich, aber auch beispielsweise was die Ausbildung und das Problembewusstsein der Verantwortlichen an unseren Schulen oder an unseren Familiengerichten angeht. Auch dazu will das Buch Anregungen geben.
 
Vielen Dank für das Gespräch.
 
 
 
Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht (© Vandenhoeck & Ruprecht).Stand: 14.08.2013.
Es ist freigegeben für die Presseberichterstattung. 




 


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