13.05.2015

Sie stehen unter enormen Druck: Die Beamten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge

Sie entscheiden täglich über das Asylbegehren von Menschen. Von ihrem Urteil hängt die Zukunft eines Menschen ab, es kann über Leben und Tod entscheiden. Zugleich stehen sie als Beamte unter dem politischen und öffentlichen Druck, die Aufnahmezahlen in Grenzen zu halten.

Mitarbeiter des BAfF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer) haben sie erstmals bei Ihrer Arbeit begleitet und durch Schulungen, Coachings und Supervision unterstützt.
Ein ungewöhnliches Projekt! Auf Augenhöhe zwischen Entscheidern und Betroffenen.

Die Ergebnisse liegen jetzt in Buchform vor; mit einem Grußwort der Politikerin Barbara Lochbihler:

»Täglich hören wir Meldungen über die Schicksale von Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Manchmal geht es um Hunderte, meist sogar um Tausende von Personen. Im politischen Alltag nehmen wir nur selten das Schicksal der einzelnen Menschen wahr. Das wird mir immer dann bewusst, wenn ich Flüchtlinge in Asylunterkünften besuche und mit ihnen über ihre persönliche Geschichte spreche. Meist deuten sie nur an, welche schrecklichen Angriffe sie ertragen mussten. Nur selten sprechen sie über Folter, sexualisierte Gewalt und andere schwere Misshandlungen.
 
In diesen Momenten frage ich mich, wie schwierig es sein muss, über das Asylbegehren eines Menschen zu entscheiden. Nur die wenigsten traumatisierten Schutzsuchenden können offen darüber reden, was man ihnen angetan hat. Sie wollen verdrängen und vergessen. Doch zugleich hängt ihr Schicksal davon ab, ob sie so schlüssig und genau wie möglich das Erlittene berichten können. Auch die Angst, als Armutsflüchtlinge eingeschätzt und deshalb nicht anerkannt zu werden, sitzt tief. Viele stehen zudem unter dem Eindruck der lebensgefährlichen Reise, zu der sie aufgrund der von Abschottung geprägten Flüchtlingspolitik der EU gezwungen sind. Erfahrungen zeigen, dass gerade in Verhörsituationen die schlimmen Erfahrungen wieder aufleben können. Der Beamte wird mit dem Folterer assoziiert, der Geständnisse erzwang und Linderung versprach, wenn man sich gehorsam zeigte.

 
Dies alles muss ein Entscheider und eine Entscheiderin berücksichtigen, wenn es gilt, die Bedrohung und die Glaubwürdigkeit eines Asylsuchenden einzuschätzen. Da braucht es viel mehr als das Wissen um die Menschenrechtslage und die politische Kultur im Herkunftsland. Hier ist ein hohes Maß an Empathie gefragt…«

(weiterlesen)

Barbara Lochbihler:
Außen- und menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion/ Freie Europäische Allianz im Europäischen Parlament; von 2011 bis 2014 Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europäischen Parlaments, von 1999 bis 2009 Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International.

Foto: Barbara Lochbihler © Olaf Köster (zur Quelle)


Titel zur News

  (1 Titel)
Thema:
Produktform:
Sortieren nach: