Autorenporträt

Monika Wienfort


Dr. phil. Monika Wienfort ist Professorin für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Berlin.
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Monika Wienfort

Der Adel in der Moderne

1. Auflage 2006
192 Seiten mit 7 Tab. kartoniert
ISBN 978-3-8252-2857-6
V&R UTB

Grundkurs Neue Geschichte -

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Buch

Die Geschichte des deutschen Adels im 19. und 20. Jahrhundert lässt sich heute kaum anders als eine Niedergangsgeschichte begreifen. Trotz dieses Befundes bleibt der Adel als soziale Gruppe in der medialen Massengesellschaft des 21. Jahrhunderts lebendig. Auch in der historischen Forschung hat sich das Interesse am Adel in den letzten Jahren gesteigert.
Monika Wienforts Einführung in die Adelsgeschichte verfolgt die mit vielfältigen Metaphern beschriebene Geschichte des Adels in fünf Perspektiven und fasst die aktuellen Forschungspositionen für den universitären Studienalltag zusammen.

Die Geschichte des deutschen Adels im 19. und 20. Jahrhundert lässt sich heute kaum anders als eine Niedergangsgeschichte begreifen. Der mittelalterliche und frühneuzeitliche Herrschaftsstand verlor sukzessive seine politischen Privilegien, aber immer deutlicher auch die soziale Vorrangstellung im Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Trotz dieses Befundes bleibt der Adel als soziale Gruppe, als mental-kulturelles Gegenüber in einer medialen Massengesellschaft des 21. Jahrhunderts lebendig. Dafür zeugen nicht zuletzt Millionen Fernsehzuschauer bei europäischen Fürstenhochzeiten oder die »bunten Seiten« der überregionalen Tagespresse, von der »yellow press« zu schweigen. Auch in der historischen Forschung hat sich das Interesse am Adel in den letzten Jahren gesteigert, einerseits orientiert an der in der politischen Sozialgeschichte immer wieder aufgeworfenen Frage nach der Einstellung der traditionellen Eliten zum Nationalsozialismus, andererseits inspiriert von ethnologischen und historisch-anthropologischen Forschungsansätzen, die kulturelle Praktiken, Mentalität, Selbstverständnis und Selbststilisierung sozialer Gruppen in den Mittelpunkt stellen. Die Debatte über »Adligkeit«, Habitus und adelsspezifische Ehre schließt auch in dieser Hinsicht an die Bürgertumsforschung der letzten Jahrzehnte an.
Die Einführung in die Adelsgeschichte liefert keine Gesamtdarstellung, sondern verfolgt die bezeichnenderweise mit vielfältigen Metaphern beschriebene Geschichte des Adels in fünf Perspektiven. Die Einleitung charakterisiert zunächst den Ausgangspunkt der modernen Entwicklung. Sie stellt die auch im europäischen Kontext hervortretende Heterogenität des Adels, die Unterschiede des Ranges, der regionalen und konfessionellen Herkunft, der Stellung in der Familie und die unterschiedlichen Erfahrungen von Männern und Frauen in den Mittelpunkt. Ein preußischer Junker stellt eben einen anderen Adelstyp dar als ein süddeutscher Standesherr. Der Vorstellung der fünf Perspektiven folgt eine Zusammenfassung aktueller Forschungsdiskussionen zwischen Niedergangsbefunden und Betonung einer Beharrungskraft als Gruppe, die das »Obenbleiben« im Niedergang zu belegen scheint. Auch die Debatte um eine »Nationalisierung« des Adels im 20. Jahrhundert, also in einer Phase, in denen es rechtlich bereits keinen Adel mehr gab, gehört in diesen Kontext.

Fünf Perspektiven

Die erste Perspektive behandelt die Politik. Die Erosion des Adels als Herrschaftsstand seit der Reformzeit des frühen 19. Jahrhunderts wurde – vor allem in Preußen – immer wieder durch die Intervention der Monarchie aufgehalten, die z.B. mit der Zusammensetzung des preußischen Herrenhauses auf eine Allianz von parlamentarischer Politik, gouvernementaler Beamtenschaft und Militär baute. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass der Adel als Stand abgelöst wurde durch den Typus des adligen Politikers, dessen Zugehörigkeit zu einer Partei sich nicht aus der Zugehörigkeit zum Adel allein ergab. Das Verhältnis von Politik und Adel im Kaiserreich wird über die Revolution von 1918/19 in die Weimarer Republik verfolgt. Am Aufstieg des Nationalsozialismus, das hat vor allem die Studie Malinowskis deutlich gemacht, hatten nicht zuletzt die vom sozialen Abstieg bedrohten militäradligen Familien einen gewichtigen Anteil. Der umfangreichen Debatte über den Adel im Nationalsozialismus – zwischen Steigbügelhalter Hitlers und Beteiligung am Widerstand des 20. Juli – wird breite Aufmerksamkeit geschenkt.
Die zweite Perspektive zeigt den Weg des Adels von der Grund- und Gutsherrschaft der Frühen Neuzeit zum modernen Großgrundbesitz. Dabei wird deutlich, dass der landbesitzende Teil des Adels immer kleiner wurde, dafür aber seine Stellung im lokalen Zusammenhang – im Westen Deutschlands gelegentlich sogar bis heute – durchaus behaupten konnte.
Die wachsende Zahl der Adligen ohne Landbesitz musste sich – das ist die dritte Perspektive – auf Laufbahnen in der Verwaltung, in Diplomatie und Militär konzentrieren. Dabei kamen ihnen frühneuzeitliche Traditionen entgegen, gleichwohl bleibt die Anpassung an leistungsbezogene Anforderungen der bürgerlichen Gesellschaft bemerkenswert.
Der vierte Teil beschäftigt sich mit Ehe und Familie, Erziehung und Bildung im Adel. Hier geht es auch um die mögliche Herausbildung eines adelsspezifischen Habitus, eines Verhaltenskanons, der das Überleben als distinkte soziale Gruppe auch in einer nicht mehr primär nach Geburt gegliederten Gesellschaft gewährleistete.
Die fünfte und letzte Perspektive vertieft diese Frage nach dem Selbstverständnis und der Selbststilisierung des Adels in und nach den Zäsuren in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Wandel der Ehrbegriffe (z.B. im Duell), die Abschwächung von Kategorien wie Standesgemäßheit und Ebenbürtigkeit verweisen auf die Neudefinition zumindest von Teilen des Adels nach 1945. Dabei reicht die Bandbreite von Familien, die als Bewahrer des kulturellen Erbes Schlösser und Gutshäuser auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen hin zu Einzelpersonen, die – vergleichbar Fußballern und Popstars – allein durch ihr Privatleben zu »Persönlichkeiten der Zeitgeschichte« werden.

Einführende und ergänzende Texte zu diesem Buch finden Sie bei UTB für Wissenschaft.

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Pressestimmen    
Diese bemerkenswerte und rundum überzeugende Verdichtungsleistung ist also, trotz aller notwendigen Knappheit, mehr als ein Studienhandbuch und eine Bestandsaufnahme eines mittlerweile vielschichtigen Forschungsfeldes.
Martin Kohlrausch, H-Soz-u-Kult

Das Buch ist uneingeschränkt jedem zu empfehlen, der sich mit Fragen der neueren Adelsgeschichte beschäftigt ...
Bernhard Theil, Zeitschrift für württembergische Landsgeschichte

... flüssig, konzise und hochkompetent ...
Walter Demel, sehepunkte

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