Hans-G. Kippenberg, Jörg Rüpke, Kocku von Stuckrad (Hg.)
Europäische Religionsgeschichte
Ein mehrfacher Pluralismus
1. Auflage 2009
XIV, 854 Seiten mit 2 Abb., 8 Grafiken und 5 Tab. kartoniert
ISBN 978-3-8252-3206-1
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Die Entwicklung der Religionen Europas wurde seit der römischen Antike von Juristen bestimmt, die Rituale und religiösen Vereinigungen als Gemeinschaftsgüter behandelten und Magie und Ketzerei als schädlich ausgrenzten. Trotzdem blieb die historische Realität auch des Mittelalters von einer Pluralität religiöser Minderheiten und Sozialformen geprägt. Der neuzeitliche Konfessionalismus, der Kolonialismus und die Arbeitsmigration wurden von dieser Pluralität ermöglicht, prägten sie aber auch neu. Dass der europäische Pluralismus nicht vor krisenhaftem Zusammenbrechen gefeit ist, zeigen die Kriege im zerfallenden Jugoslawien.
Diese Pluralität war in eine Vielfalt an Wissensformen und gesellschaftlichen Systemen eingebettet. Die Transfers zwischen ihnen bildete einen Teil der Geschichte. Das Verständnis von Naturwissenschaft, von politischer Verfassung eines Gemeinwesens, von individueller Seele, von Nation, von politischen Ideologien sowie von philosophischer Wahrheit setzt diesen Austausch voraus. Andererseits wurden religiöse Quellen geschichtswissenschaftlich aufgearbeitet und als Heilige Schrift philologisch autorisiert, was sich auf die glaubensförmige Aneignung von Religionen auswirkte.
Feste und Kalender stellten eine besonders intensive Vermittlung religiöser Ideen dar. Da das Christentum sich die klassische Antike einverleibt hatte, wurde Europa wiederholt zum Ort von Renaissancen der Antike, analog dann auch fremder Religionen; sie zogen in die Lebenswelt der Europäer ein, in Gestalt von Laienreligiosität ebenso wie von ästhetischen Medien wie Bildern und Literatur.
Dieser Vielfalt und Komplexität der verschiedenen Ebenen des europäischen Pluralismus in seiner Religionsgeschichte trägt der vorliegende Band Rechnung.

