Claudius Torp
Konsum und Politik in der Weimarer Republik
1. Auflage 2011
384 Seiten mit 5 Abb. und 7 Tab. gebunden
ISBN 978-3-525-35715-6
Vandenhoeck & Ruprecht
Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft - Band 196
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In der Weimarer Republik gehörten Lebensmittelknappheit, Teuerungsunruhen und Wohnungsnot ebenso zum Alltag wie die Verlockungen der großstädtischen Vergnügungskultur, die das Bild von den »Goldenen Zwanzigern« geprägt haben. Ausgehend von einer Untersuchung des materiellen Lebensstandards, verdeutlicht Claudius Torp die Kluft zwischen Mangelerfahrung und Wohlstandserwartung und zeigt, wie der Konsum allseits politisiert wurde. Hierbei offenbaren die politischen Debatten und Maßnahmen das ebenso anspruchsvolle wie letztlich gescheiterte Projekt einer rationalen Gestaltung des Konsums, in dem sich demokratische und paternalistische Züge überlagerten. Der Zusammenhang von Konsum und Politik bietet daher eine neue Perspektive auf die Probleme und Potenziale der Weimarer Republik.
Die Politisierung des Konsums war überall zu beobachten: Von »unten« suchten die Konsumgenossenschaften im Zenit ihres Erfolges den Verbraucher als politischen Akteur zu etablieren, während die Antialkoholbewegung auf seine Entmündigung hinarbeitete. Statistiker und Wohnungsreformer stritten über die Konstruktion des Existenzminimums. Von »oben« wiederum kamen in der staatlichen Ernährungspolitik sowie den Preiskontrollen die Rechte der Verbraucher auf die Tagesordnung. Zugleich bildeten die Pflichten der Konsumenten die Zielscheibe eines bürgerlichen Konsummodells, dessen innere Logik aus der politischen Reaktion gegen die neue Konsumkultur rekonstruiert wird.

