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Karin Tebben

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Venusberg-Legende

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Karin Tebben


PD Dr. Karin Tebben habilitierte sich mit einer Schrift über »Realismus und Geschlechterbeziehungen«. Seit 2007 hat sie an der Universität Heidelberg die Leitung eines interdisziplinären Lehr- und Forschungsprojektes zum Thema »Literatur und Medizin / Psychologie« übernommen.
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Karin Tebben

Tannhäuser

Biographie einer Legende

1. Auflage 2010
247 Seiten mit 11 Abb. gebunden
ISBN 978-3-525-20867-0
Vandenhoeck & Ruprecht

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Tannhäuser: Seit mehr als achthundert Jahren bewegt der regelwidrige Minnesänger die Gemüter – und die ihm nachfolgende Dichtung. Sein Name wurde zum Markenzeichen eines exzentrischen Künstlertypus, der seine Fehde mit den herrschenden Normen der Zeit bis an die Grenzen der Selbstzerstörung auszutragen bereit war. Tannhäusers Attacken richteten sich gegen jenes Fundament der christlichen Gesellschaftsordnung, das scheinbar unverrückbar war: Die Geschlechterliebe war den Gesetzen von Sitte und Moral unterstellt. Diese Revolte gegen ein gesellschaftlich normiertes Liebesideal bildet jedoch nur eines von zwei Merkmalen, die sich in der Tannhäuser-Gestalt verbinden, denn der inhaltlichen Abweichung vom Reglement des Minnesanges entspricht eine eigenwillige artifizielle Gestaltung.

Was den Tannhäuser-Stoff so interessant für die Dichtung der folgenden Jahrhunderte machte, ist also nicht das Bekenntnis zur ungehemmten Sexualliebe allein, sondern vor allem die damit verbundene Revolte eines neuen Kunstideals gegen ein tradiertes. Die Künstler der nächsten Jahrhunderte schneiden den Tannhäuser-Stoff neu zu und gestalten ihn den Erfordernissen der Zeit gemäß neu. Das heißt, Grundidee bleibt das sich in der Tannhäuser-Gestalt symbolisierende Rebellentum des Künstlers, der sich gegen die gesellschaftliche Norm auflehnt, indem er die geltende Liebescodierung mit innovativen rhetorischen und stilistischen Mitteln diskreditiert. Das neugestaltete Tannhäuser-Schicksal erweist sich somit als ein kulturgeschichtlicher Spiegel von individuellem Liebesverständnis und gesellschaftlich definiertem Liebesverständnis und davon untrennbar, als Spiegel von aktuellem Kunstverständnis und Gesellschaft.

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Die rebellische Gestalt des Künstlers, der mit seinem Lob der sinnlichen Liebe die Gesellschaft schockiert, wird hier gelehrsam, exakt und anschaulich in einem historischen Längsschnitt dargestellt.
Mathias Mayer, Germanistik

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