Bülent Ucar, Martina Blasberg-Kuhnke, Arnulf von Scheliha (Hg.)
Religionen in der Schule und die Bedeutung des Islamischen Religionsunterrichts
1. Auflage 2010
330 Seiten mit 3 Abbildungen gebunden
ISBN 978-3-89971-611-5
Universitätsverlag Osnabrück bei V&R unipress
Veröffentlichungen des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien der Universität Osnabrück - Band 001
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Ist Religionsunterricht als eine Erscheinungsform von Religion in der Schule eigentlich noch zeitgemäß? Wären nicht Ethikunterricht, Religionskunde oder ein integrativer Religionsunterricht für christliche, jüdische und muslimische und Schülerinnen und Schüler anderer Religionen bessere Alternativen zum bisherigen Modell religiösen Lernens in den Schulen auf Grundlage von Art. 7 III GG? Ist das Diktum, die Glaubenssätze der verschiedenen Religionen als bestehende aber gleichsam miteinander konkurrierende Wahrheiten am Lernort Schule zu vermitteln, noch zeitgerecht?
Vor dem Hintergrund dieses Themenfeldes trägt dieser Band zur Profilierung der künftigen Forschung zu Voraussetzungen, Theorie und Praxis des islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Unterrichtsfach an öffentlichen Schulen bei. Er greift gesellschaftliche Diskurse zur Rolle von Religion an öffentlichen Schulen auf und untersucht Handlungsfelder religionspädagogischen Handelns am Lernort Schule und bringt sich so in die Diskussion über die Verortung von Religionen im Rahmen des Religionsunterrichts in der bundesdeutschen Schullandschaft ein.
Im Rahmen der allgemeinen öffentlichen Diskurse zur Bedeutung von Religionen in der Gegenwart ist das Projekt der Etablierung eines islamischen Religionsunterrichts (IRU) als ordentliches Unterrichtsfach an öffentlichen Schulen zum Politikum avanciert. Dabei werden nicht nur didaktische und pädagogische Leitprinzipien und Konzepte kontrovers und kritisch diskutiert, sondern auch integrationspolitische, rechtliche, historische und soziologische Gesichtspunkte. So auch auf dem Symposium »Religionen in der Schule und die Bedeutung des Islamischen Religionsunterrichts« am Zentrum für Interkulturelle Islamstudien (ZIIS) der Universität Osnabrück im Januar 2009, als dessen vielschichtige und aufschlussreiche Erzeugnisse die Beiträge des gleichnamigen neu erschienenen Sammelbandes zu verstehen sind. In den Aufsätzen des Konvoluts thematisieren renommierte WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Fachdisziplinen neben allgemein notwendigen Voraussetzungen religiösen Lernens in den Schulen auf der Grundlage von Artikel 7 Abs. 3 des Grundgesetzes pädagogische, didaktische, interreligiöse und interdisziplinäre Konzepte und Modelle, auch und insbesondere vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungsberichte aus dem Schulalltag. Theorie und Praxis werden mithin gleichsam berücksichtigt, wobei über den deutschen Kontext hinausgehend auch auf europäische Traditionen und Praktiken (Bosnien und Herzegowina, Türkei, Österreich, Großbritannien, Niederlande) Bezug genommen wird. Gesellschaftliche Diskurse zur Rolle von Religion an öffentlichen Schulen aufgreifend, werden von den AutorInnen Aktionsfelder religionspädagogischen Handelns ausgelotet. Der Band leistet eine Bestandsaufnahme aktueller Zustände und gibt gleichzeitig Einblicke in Forschungsdesiderata, die es zukünftig zu bearbeiten gilt. Er trägt somit maßgeblich zur Profilierung der Islamischen Religionspädagogik als einer noch jungen akademischen Disziplin sowie der Institutionalisierung des islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Unterrichtsfach an öffentlichen Schulen bei. Als gleichsam wissenschaftspropädeutisches Werk ist es jedem Studenten der Islamischen Religionspädagogik zu empfehlen; aufgrund des differenzierten und multiperspektivisch angelegten Themenspektrums offeriert der Band darüber hinaus auch Fachwissenschaftlern unterschiedlicher Couleur wie auch einem interessierten Laienpublikum eine horizonterweiternde Lektüre.

