Clemens Vollnhals, Jörg Osterloh (Hg.)
NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit
Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR
1. Auflage 2011
456 Seiten gebunden
ISBN 978-3-525-36921-0
Vandenhoeck & Ruprecht
Schriften des Hannah-Arendt-Instituts - Band 045
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In 20 Beiträgen untersuchen die Autoren die Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit auf bedeutende Prozesse gegen NS-Täter, die während der Besatzungszeit, der frühen Bundesrepublik und DDR vor alliierten und deutschen Gerichten stattfanden.
Sie machen die Unterschiede und die Wechselwirkungen der Strafverfolgung zwischen Ost und West deutlich und zeigen, wie sich die öffentliche Wahrnehmung der Prozesse in den Westzonen und später in der Bundesrepublik in all ihren Widersprüchen entwickelte. Auch in der Sowjetischen Besatzungszone gab es anfangs noch einen gewissen Freiraum, doch bald standen Justiz und Öffentlichkeit im Dienste der SED-Propaganda.
Die Beiträge verdeutlichen, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht so geradlinig verlief, wie dies in der Rückschau oft angenommen wird. Es war ein langer, steiniger Weg, bis die populäre Schlussstrich-Mentalität überwunden war und die Mehrheit der (west)deutschen Bevölkerung der Einsicht zustimmte, dass die moralische Verdammung der ungeheuren NS-Verbrechen ohne die konkrete Strafverfolgung der Täter unglaubwürdig bleiben müsse. Im historischen Rückblick wird man die von der Justiz geleistete Arbeit und über die Medien transportierte Aufklärung über den verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus kaum unterschätzen können, so unbefriedigend die aus vielerlei Gründen erst spät einsetzende konsequente Verfolgung von NS-Verbrechen und das oft kritisierte Strafmaß unter moralischen Gesichtspunkten auch bleiben sollten. Es war ein langwieriger, schmerzvoller Prozess gesellschaftlicher Selbstvergewisserung von bemerkenswerter Dauer und Intensität.

