Susan Richter
Fürstentestamente der Frühen Neuzeit
Politische Programme und Medien intergenerationeller Kommunikation
1. Auflage 2009
541 Seiten gebunden
ISBN 978-3-525-36073-6
Vandenhoeck & Ruprecht
Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften - Band 080
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Der Band nimmt erstmals umfassend und vergleichend den von der historischen Forschung bisher wenig beachteten Quellenkorpus urkundengebundener deutscher Fürstentestamente zwischen 1600 und 1800 in den Blick. Fürstliche Testamente erweisen sich als wichtige Kommunikationsmedien zwischen den Generationen eines Hauses und dienten in dynastischer, politischer und konfessioneller Hinsicht der Gewährleistung von Kontinuität und Stabilität über den Tod eines Herrschers hinaus. Da die Testamente den Fürsten auch als selbstreflexive Erfahrungsberichte über das eigene politische Wirken dienten, offenbaren sie das individuelle obrigkeitliche Selbstverständnis eines Herrschers sowie den Wandel der Auffassungen innerhalb einer Dynastie im chronologischen Längsschnitt.
Der Wandel individueller politischer und konfessioneller Auffassungen der Fürsten aus den weltlichen Kurhäusern des Alten Reiches, den Herzögen von Württemberg und Mecklenburg sowie den hessischen Land- und den badischen Markgrafen wird vor dem Hintergrund zeitgenössischer Herrschaftsideale, wie sie Fürstenspiegelliteratur formulierte, untersucht und umfassend ausgewertet.
Beleuchtet werden neben dem formalen Entstehungsprozess der Urkunden auch die vielfältigen Mechanismen zur Erlangung von Rechts- und Geltungssicherheit etwa durch die freiwillige Anpassung der Fürsten an die römischrechtliche Testamentsform, die kaiserliche Konfirmation oder die aus dem germanischen Recht stammende Handtreue, die der Nachfolger gegenüber dem väterlichen Testament zu leisten hatte. Das ausführlich beschriebene Zeremoniell der Testamentseröffnung, das in Anwesenheit des Nachfolgers vor einer repräsentativen Öffentlichkeit vorgenommen wurde, verdeutlicht die Intention des verstorbenen Herrschers, ein letztes Mal als politischer Akteur aufzutreten und seinem Erben noch einmal die untergeordnete Rolle eines Befehlsempfängers zuzuordnen. Der zweite Teil des Bandes widmet sich den Intentionen der Fürsten, ein Testament zu errichten und politische Verfügungen darin zu treffen. Neben der persönlichen Vorsorge für das eigene Seelenheil ging es den Fürsten vor allem um die Regelung der Sukzession, die Einführung oder Festschreibung von Hausgesetzen wie der Primogenitur, des Familienfideikommiss oder der Vormundschaftsgesetze. Zudem dienten die Testamente den Fürsten als selbstreflexive Erfahrungsberichte über das eigene politische Wirken und offenbaren somit das individuelle obrigkeitliche Selbstverständnis eines Herrschers. Aus den Handlungsanweisungen an den Nachfolger lassen sich Schlüsse zu individuellen Konzeptionen in der Hauspolitik ziehen. Der Wandel individueller politischer und konfessioneller Auffassungen der Fürsten aus den weltlichen Kurhäusern des Alten Reiches, den Herzögen von Württemberg und Mecklenburg sowie den hessischen Land- und den badischen Markgrafen wird vor dem Hintergrund zeitgenössischer Herrschaftsideale, wie sie Fürstenspiegelliteratur formulierte, untersucht und umfassend ausgewertet.

