Martin Hille
Providentia Dei, Reich und Kirche
Weltbild und Stimmungsprofil altgläubiger Chronisten 1517–1618
1. Auflage 2010
672 Seiten gebunden
ISBN 978-3-525-36074-3
Vandenhoeck & Ruprecht
Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften - Band 081
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Die Studie thematisiert Weltbild und Zeitdiagnosen altgläubiger Chronisten aus dem gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Im Zentrum stehen Diskurse, die über die reine Tagespolitik hinaus die großen Herausforderungen des Säkulums aufgreifen, als da wären Luther, die Reformation und ihre Folgen für die Christenheit, die Türkenkriege, die säkulare Teuerung sowie die Frage nach dem gegenwärtigen und künftigen Status von Reich und Kirche. Es geht um das Nachzeichnen der jeweiligen Konsense und Dissense, aber auch um ihre Einfärbung durch den Vorsehungsglauben – kurzum die Bestimmung der providentiellen Dimension der Gegenwartsdeutungen.
Dem liegt ein lebensweltlicher, historisch-biographischer, die nähere und weitere Umwelt der Zeitbuchschreiber berücksichtigender Interpretationsansatz zu Grunde. Dazu gehört auch die Frage nach dem Raum, nach der sozialen Reichweite und nach der druckmedialen Komponente der Gegenwartsdiagnosen. Deshalb werden über die rein chronikalischen Referenzen hinaus die einschlägigen Reflexionen der zeitgenössischen Kontroverstheologie sowie der Kalenderliteratur berücksichtigt. Ins Zentrum der Analyse rücken die verschiedenartigen Facetten des zeitgenössischen Vorsehungsglaubens sowie dessen Bedeutung für das damalige Weltbild. Immer wieder verdichten sich Politik und Religion zu den zwei Brennpunkten einer großen Ellipse, um die das ganze weitere Denken der Chronisten kreist. Vor diesem Hintergrund werden schließlich ihre konkreten Lagebeurteilungen der Gegenwart analysiert, so dass sich am Schluss der Studie ein säkulares Stimmungsprofil herausschält.

