04.12.2012

Wer war Michael Servet?

Uwe Birnstein im Interview über seine Michael Servet-Biografie:

Guten Tag, Herr Birnstein. Wie kam Ihnen die Idee für diese Biografie?

Michael Servet begegnete mir im Rahmen meiner Recherchen für meine Calvin Biografie. Denn Calvin selbst war mitverantwortlich für die Verhaftung und Verurteilung von Michael Servet. Diese Rolle wird von der Calvin-Forschung aber zumeist herunter gespielt. Abgründe taten sich auf, als ich erfuhr: Auch Philipp Melanchton, der als besonnen geltende Reformator, freute sich in Wittenberg über den Tod des Ketzers. Nun wollte ich es genauer wissen: Wer war Michael Servet? Und was war sein Vergehen?
 
Was macht diese Figur für Sie so interessant?

Von Luther ist das Wort überliefert: ›Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.‹ Seine Standhaftigkeit wird bewundert und gefeiert. Michael Servet zeigte dieselbe Courage und ließ angesichts der Todesstrafe nicht ab von seiner Überzeugung. Der eine wurde Sieger, der andere Verlierer. Diesen Mann wollte ich aus den Fußnoten und Randnotizen der Kirchengeschichte hervorholen. Zumal seine Theologie sehr moderne Impulse für die aktuelle globale Friedensdiskussion geben kann. Er verdient eine Biografie!
 
Ihr Buch erscheint im Vorlauf des Reformationsjubiläums 2017. Was hat es uns im Blick auf dieses Ereignis zu sagen?

Servet wurde zunächst von der katholischen Inquisition zum Tode verurteilt, dann von den Genfer Protestanten hingerichtet. Eine unselige Allianz, dieser Schulterschluss gegen Ketzer, vorangetrieben durch die Reformierten. Unser bequemes Weltbild – hier die gewaltfreien und toleranten Protestanten, dort die inquisitorischen Katholiken – stimmt eben nicht. Es mag nicht so recht in die Reformations-PR passen, aber Fakt ist: Auch Protestanten haben die Scheiterhaufen geschürt.
 
Wie, glauben Sie, wird Ihr Buch aufgenommen werden?

Es mag eine Art späte publizistische Wiedergutmachung sein: Der Reformierte Bund hat diese Servet-Biografie mit einem Zuschuss unterstützt. Margot Käßmann hat hervorgehoben, wie wichtig diese Biografie für ein ungeschöntes Bild der Reformation ist. Das sind zwei gewichtige Unterstützer, die mich zuversichtlich stimmen, dass das Buch gut aufgenommen werden wird. Zuletzt entscheidet der Leser: Ihnen allen wünsche ich viel Freude, in die Welt und das Denken von Michael Servet einzutauchen!
 
Vielen Dank für das Gespräch.
 

Das Copyright für dieses Interview liegt bei Vandenhoeck & Ruprecht (© Vandenhoeck & Ruprecht).
Sie dürfen es gerne für Ihre Presseberichterstattung verwenden.
Ihre Ansprechpartnerin bei Vandenhoeck & Ruprecht: Ulrike Schermuly, Tel. 0551 50 84-471, Mail:
u.schermuly@v-r.de


 


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