29.03.2018

»Widerstand und Dissidenz« – Die neue INDES ist da!

Die neue INDES (04|2017) widmet sich im Schwerpunkt der Thematik »Widerstand und Dissidenz«, mit dem Ziel, die Komplexität dieses Phänomens in seinem Perspektivenreichtum zu erfassen.

Widerstand – für die meisten derjenigen, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer stabilen Demokratie leben, klingt dieses Wort wie selbstverständlich nach grundlosem Krawall, demokratiefeindlicher Revolte, im besten Fall: halbstarkem Aufruhr. Freilich: In der Antike galt zahlreichen Denkern ebensolcher Widerstand als ein Instrument, mit dem sich eine demokratischere Ordnung proaktiv herbeiführen ließ. Und da seinerzeit Macht durch die Figur des singulären Herrschers personifiziert wurde, ist der Urtypus der Widerstandshandlung zur Beendigung einer Gewaltherrschaft der Tyrannenmord.

Widerstand ist also ein Relationsbegriff, der erst durch die Bestimmung der Herrschaftsform, gegen die er sich richtet, Bedeutung und Inhalt gewinnt. Als solcher ist ein fundamentaler, gegen die Grundlagen der bestehenden Ordnung gerichteter Widerstand in einer Demokratie, in der Kritik und Widerspruch nicht nur möglich, sondern als parlamentarische Opposition in den gesetzgebenden Körperschaften institutionalisiert und in Form des Widerstandsrechtes im deutschen Grundgesetz juristisch fixiert sind, zweifellos mit weitaus gravierenderen Plausibilisierungsnotwendigkeiten und Begründungsschwierigkeiten konfrontiert als in anderen Regierungssystemen.

Widerstand ist ein Gegenbegriff zu Herrschaft. Er bezeichnet Handeln, das den Herrschenden – hiermit können konkrete Personen wie überindividuelle Parteien, Institutionen und Strukturen gemeint sein – die Legitimität abspricht und infolgedessen die Gefolgschaft verweigert.

Die herrschaftskritische Haltung der Widerständler verbindet sie über alle Zeit und jeden Raum hinweg, in der Wahl der Mittel wie in den angestrebten Ziele unterscheiden sie sich jedoch – das Spektrum erstreckt sich vom kollektiven zum individuellen Widerstand, er kann von Gewalt geprägt oder gewaltfrei sein, als ziviler Ungehorsam deklariert werden, spontan oder gründlich geplant verlaufen.

Die Beiträge der neuen INDES thematisieren Widerstand als Tyrannenmord ebenso wie als legitimen, demokratiekonstituierenden Akt. Wie unter einem Brennglas mithin zeigt sich in den Beiträgen dieses Heftes, dass es den einen und einzigen Weg des Widerstands nicht gibt. Widerstandshandlungen sind facettenreich und vielschichtig, ebenso mannigfaltig wie ihr Gegenüber.

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Hier können Sie in die neue Ausgabe der INDES »Widerstand und Dissidenz« reinlesen.
 


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»Indes« steht für Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Fundiert, pointiert und originell präsentiert sich hier ein deutungsstarkes Periodikum für politische Aufklärung. Herausgegeben von Franz Walter, Leiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung an der Universität Göttingen.

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