17.12.2013

Zum Tod von Gaetano Benedetti

DIE KUNST DES HOFFENS
ZUM TODE VON GAETANO BENEDETTI
 
Am vergangenen Freitag wurde in der Riehener Dorfkirche Abschied von Gaetano Benedetti genommen. Benedetti, der zu den grossen Psychotherapeuten des 2o. Jahrhunderts gehört, war Anfang Dezember im baslerischen Riehen, 93jährig, verstorben. Sein Schaffen wird vor allem unvergesslich bleiben, weil er  in seiner langen Laufbahn ebenso wichtige wie originelle Beiträge zu einem wesensgerechten Verständnis von Schizophrenie und Psychose erarbeitet hat.

Gaetano Benedetti wurde 1920 im sizilianischen Catania geboren. Er kam aus einer Arztfamilie und ergriff dann selbst diesen Beruf. Er war schon bald vom menschlichen Leiden so sehr ergriffen, dass er sich ganz der Psychiatrie in ihrer verstehenden Form zuwandte. In Zürich – an der Psychiatrischen Klinik Burghölzli – konnte er sich beim berühmten Manfred Bleuler aus- und weiterbilden. In Zürich wurde er auch habilitiert, bevor er dann in Basel eine Professur für Psychohygiene und Psychotherapie erhielt. Aber auch seine Heimat Italien blieb für ihn Betätigungsfeld. 1963 gründete er in Mailand die »Associatione e Scuola di Studi Psychoanalitici«. In diesem Institut werden bis heute Psychotherapeuten ausgebildet. Bevor er einen Ruf an die Universität Frankfurt am Main annehmen konnte, wurde Benedetti selber von einem Schicksalsschlag getroffen. Er musste an einem Hirntumor operiert werden und war anschliessend über viele Jahre körperlichen Beeinträchtigungen ausgesetzt. So wie er seine Schülern die therapeutische Kunst des Hoffens lehrte und diese seinen Patienten überzeugend vermittelte, hoffte er in diesen schweren Zeiten auch für sich. Benedetti blieb als Mensch und Wissenschaftler stets bescheiden; er überdimensionierte nicht seine eigene ärztliche Kunst,  wie das viele seiner Kollegen taten.  So gestand er auch Sozialarbeitern, Krankenpflegern und anderen helfenden Berufen durchaus psychotherapeutisches Wirken zu. »Es gibt eine geheime Psychotherapie, durch Fürsorge, durch Krankenpflege, durch Jugenderziehung ausgeübt«.

Benedetti begriff Psychotherapie auch nie als Heilserfahrung, wie das viele in unseren Tagen tun. Er wusste um Beschränkungen, die er dann – 2004 nach dem Tode seiner geliebten Frau Anita – selber dunkel erfahren musste. »Psychotherapie bleibt Grenzerfahrung, ein Können an der Grenze des Nichtkönnens, ein Mitsein an der Grenze des Fremdbleibens, ein Verstehen an der Grenze des Unverständlichen, ein sympathetisches Mitgehen an der Grenze der undurchdringlichen Geschiedenheit«.

(Walter Hollstein, in: tagesanzeiger (zürich) 18.12.2o13)


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