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Bernhard Jussen

Der Name der Witwe

Erkundungen zur Semantik der mittelalterlichen Bußkultur


Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 158
1. Auflage 2000
II, 375 pages mit 38 Abb., Leinen
38.95 € [D]
ISBN 978-3-525-35474-2

About this book

Was hält jene Jahrhunderte der Geschichte zusammen, die wir »Mittelalter« nennen? Bernhard Jussen sucht die Antwort in kulturspezifischen Sprechweisen. Er untersucht, wie um das Jahr 400 Grundideen der christlichen Gesellschaft in eine standardisierte Sprache übersetzt worden sind, deren bloßer Gebrauch die kulturelle Stabilität maßgeblich sicherte.
Im Zentrum steht eine Denkfigur, die um das Jahr 400 von den christlichen Autoren buchstäblich erfunden worden ist: die immerfort klagende und büßende Witwe, die Trauer als Lebensform. Sie war Signum der Menschheit auf Erden, der ecclesia als klagender Witwe des verstorbenen Christus. Untersucht wird insbesondere das Gesellschaftsmodell der »Jungfrauen – Witwen – Verheirateten«, mit dem die moralische Hierarchie der Gesellschaft artikuliert wurde.
Es wird deutlich, dass kulturspezifische Semantik und Ideengeschichte nicht in denselben Bahnen verliefen und nicht unbedingt kausal aufeinander bezogen waren. Das Zerfallen der über Jahrhunderte stabilen Sprechweisen erfasst man kaum, wenn man berühmte Personen heranzieht, die stets für das »Neue« stehen – Bernhard von Clairvaux etwa oder Meister Eckart. Die »mittelalterlichen« Sprechweisen verloren ihre Funktion, während sich die Vorstellungen kaum geändert haben.

Reviews

»Bernhard Jussens ›Witwen‹-Buch leistet einen besonders wertvollen Beitrag zur Erhellung zentraler mittelalterlicher Denkformen. Man liest es mit großem Vergnügen und ist beeindruckt von dem methodischen Innovationspotenzial und der transdisziplinären kulturwissenschaftlichen Kompetenz seines Autors.«
Frank Rexroth, Historische Zeitschrift