Den Irrtum liquidieren
Bücherverbrennungen im Mittelalter
Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 225
1. Auflage 2007
853 pages mit 56 Abbildungen und 3 Schaubildern, Leinen
121.95 € [D]
ISBN 978-3-525-35880-1
About this book
Burning heterodox literature was widespread already in the Middle Ages. This book systematically explores the context, ritual and function of book burnings. Hitherto nothing as comprehensive as this work has been published.
Reviews
»... eine bewundernswerte wissenschaftliche Leistung ...«
Ludger Syré, Das Historisch-Politische Buch
»Die historische Forschung verdankt Werner eine materialreiche und anregende Studie auf der Höhe der Forschung.«
Thomas Wetzstein, Rechtsgeschichte
»Die Arbeit überzeugt durch ihre hervorragende und originelle Gliederung und Strukturierung der Stoff- und Detailfülle.«
Amalie Fößel, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft
»[Die Diss.] imponiert nicht (nur) wegen ihres Umfanges, sondern vor allem wegen ihres intellektuell anspruchsvollen Inhalts, der in einer gut lesbaren, eleganten Sprache vermittelt wird.«
Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters
»Frei von Zynismus wie von falscher Sentimentalität, mit scharfem Blick auch gerade für das, was die Quellen nicht aussagen, von stupender Gelehrsamkeit und souveräner Materialaufbereitung, muss dieses Buch zum Standardwerk für die Forschung zur Bücherzerstörung werden.«
Cornelia Ortlieb, Monatshefte
»In both regards, in documentation as well as in interpretation, the author succeeds in an impressive way. […] this book will serve as a major source of information for years to come. […] This book is highly recommended for all students of medieval European history of religion and should be available in every research library«
Kocku von Stuckrad, Book Reviews
»His concept of studying the rituals of medieval book-burnings […] and probing the logic that lay behind them is fully orignal, and his pursuit of this concept is studded with fascinating information. […] unblinkingly critical […] Students of instances of attempted medieval thought control are certain to find a new data or corrections of what presumed experts have previously said; if such students cannot read German, they ought to seek help.«
Robert E. Lerner, The Catholic Historical Reviwe
»Den Irrtum liquidieren is a heavy book, in every sense, but it is full of gold, a heavy metal.«
Alexander Murray, Journal of Ecclesiastical History
»...ohne Zweifel eine empfehlenswerte Lektüre für jeden, der Interesse an der "Epoche der Finsternis" hat.«
Kalina Mróz-Jableca, Jahrbuch für Internationale Germanistik
Content
Einleitung1. Schriftenvernichtung im Mittelalter – ein Überblick
1.1 Zensoren und Betroffene, historische Kontexte und Entwicklungen
1.2 Zum Feuer verurteilen, im Feuer verbrennen – Prozeß, Urteil und Vollstreckung
1.2.1 Der Weg zum Urteil – Reglementierung, Legitimierung und die Praxis der Zensur
1.2.2 Das Urteil und der Befehl zur Vernichtung
1.2.3 Nicht nur Bücher! Scripta incendio, scriptorem silentio und Was im Feuer alles zugrunde ging
1.2.4 Techniken – das Feuer und die Hierarchie der Vernichtungsarten
1.2.5 Öffentlichkeit und Feierlichkeit – die Exekution als Inszenierung
2. Um nicht selbst verbrannt zu werden
2.1 Ein Ausnahmefall – Gottschalk von Orbais (849)
2.2 Momente der conversio – Berengar von Tours (1059)
2.3 Der Modellfall Act 19,19 und Bilder der Verbrennung
2.3.1 Act 19,19 und die Sicht der Theologen
2.3.2 Konversionserzählungen
2.3.3 Konzilsdarstellungen (9.-11. Jh.)
2.3.4 Gotische Miniaturen I – ein Bilddiskurs jenseits des Modells
2.3.5 Gotische Miniaturen II – Act 19,19 in der »Bible moralisée«
2.3.6 Spätmittelalterliche Heiligenikonographie I – Die Bekehrung des Hermogenes
2.3.7 Spätmittelalterliche Heiligenikonographie II – Ordale und Triumphe
2.3.8 Act 19,19 als Argument
2.4 Prozesse der Abschwörung – Reginald Pecock (1457)
2.5 Etappen der Buße – das Beispiel der Lollarden
2.5.1 Die Lollarden und ihre Bücher
2.5.2 Penitentia publica et horribilis – das Ritual als Kontext
- Markierungen – die Ausstaffierung der Pönitenten
- Szenen – die Auftritte der Pönitenten
- ›faggots‹ und die Mehrdeutigkeit der rituellen Zeichen
- Bücherverbrennung, manchmal ein Nachspiel nur
2.5.3 Zurück in den Schoß der Mutter Kirche – Schande, Buße, Rekonziliation
3. Wieder Ordnung schaffen
3.1 Den Irrtum sichtbar machen
3.2 Den Irrtum offenkundig machen
3.3 Den Irrtum liquidieren
3.3.1 Das Feuer, der »Rächer des Irrtums«
3.3.2 Vergessen machen und erinnern müssen
3.3.3 Das Gute schützt vor Vernichtung nicht,
denn der Teil verdirbt das Ganze
3.4 Gewissensqualen – und die Wahrheit der verbrannten Bücher
4. Bücherverbrennung, Menschenverbrennung
4.1 Bücher, Leichen und imagines
4.1.1 Post mortem
4.1.2 In absentia
- Exkurs: Die Verbrennungen der Eitelkeiten
4.2 Bei lebendigem Leib
4.2.1 Zweimal 1415
4.2.2 Zweimal Paris
4.2.3 »Bûchers et autos s’excluent«
4.2.4 Der kirchlichen Richter Art zu reden
4.2.5 Der kirchlichen Richter Art zu inszenieren
4.2.6 Inszenierungen komplexerer Art
4.2.7 Momente der Ketzerverbrennung
4.2.8 Bilder
4.2.9 Ein schwaches, ein stabiles und ein emphatisches cum, dazu eine Hexe
4.2.10 Ausblick auf die Reformation
Zum Schluß zwei Sonderfälle
- Unbußfertig, aber nicht verbrannt – Thomas von Apulien (1388)
- Am Ende bußfertig und dennoch verbrannt – Friedrich Reiser (1458)
Anhänge und Verzeichnisse
Anhang A: Schriftenvernichtung im Mittelalter – eine chronologische Darstellung
Anhang B: Quellen zum Dominikus-Buchwunder
Anhang C: Abbildungen
Verzeichnis der Abbildungen und Schaubilder
Abkürzungsverzeichnis
Quellen- und Literaturverzeichnis
Abbildungsnachweis
Register